
Mit John Carpenter’s Toxic Commando liefert Saber Interactive einen chaotischen Koop-Horde-Shooter, der ganz im Stil klassischer B-Movie-Horrorfilme auf überdrehte Action, riesige Zombiehorden und kompromisslosen Multiplayer-Spaß setzt.
Zwischen B-Movie-Horror und Koop-Gemetzel
Die Handlung wirkt wie ein klassischer B-Movie-Vorwand – und genau das passt perfekt zum Ton des Spiels. Bei einem Experiment, bei dem man in den Erdkern bohrt, wird der sogenannte Sludge God freigesetzt: ein unheimliches Wesen, das den Boden in einen ätzenden Sumpf verwandelt und Menschen zu Homo Mortis mutieren lässt – Zombies, die von schwachen Schwärmen bis zu gepanzerten Monstern reichen. Vier glücklose Söldner, die dank eines experimentellen Serums teilweise immun sind, werden von einem exzentrischen Magnaten angeheuert, um die Invasion aufzuhalten. Statt strahlender Helden bekommst du jedoch ein ruppiges Quartett, das sich ständig streitet, gegenseitig beleidigt und sich mit jeder Menge Feuerkraft durch die Horden kämpft. Die Kampagne ist in Akte unterteilt und führt dich durch halb offene Missionen auf größeren Karten. Dort erwarten dich Ziele wie Verteidigungsaufgaben, Liefermissionen oder Bosskämpfe, unterbrochen von Hubs, in denen du Upgrades freischalten kannst. Eine tiefgründige Story solltest du allerdings nicht erwarten: Dich erwarten eher überzeichnete Dialoge, solide, aber wenig inspirierte Zwischensequenzen und eine „Wir retten die Welt zwischen Witzen und Blutbad“-Atmosphäre, die stark an Filme wie The Thing oder Escape from New York erinnert. Letztlich dient die Geschichte vor allem als Rahmen für die Action und tritt nach dem ersten Akt zunehmend in den Hintergrund – während der Multiplayer klar in den Mittelpunkt rückt.

Koop-Action gegen endlose Horden
Das Gameplay ist der eigentliche Motor von John Carpenter’s Toxic Commando: ein Koop-Horde-Shooter für bis zu vier Spieler, der dank Crossplay auch plattformübergreifend funktioniert. Wer allein spielt, wird von überraschend kompetenten Bots unterstützt. Angetrieben wird das Ganze von Sabers Swarm Engine, die riesige Gegnerwellen auf den Bildschirm bringt. Hunderte Feinde stürmen gleichzeitig auf dich zu, klettern auf Fahrzeuge oder überrennen Verteidigungsstellungen, wenn das Team nicht zusammenarbeitet. Dir stehen vier Klassen zur Verfügung: Strike für massiven Schaden, Medic für Heilung und Wiederbelebungen, Operator für Drohnen und Geschütztürme sowie Defender als Tank und Crowd-Control-Spezialist. Ihre Spezialfähigkeiten – etwa Feuerwände, Schockwellen oder Schutzschilde – sorgen für starke Team-Synergien. Allein hat man kaum eine Chance, doch ein gut eingespieltes Team kann selbst riesige Belagerungen in ein explosives Spektakel verwandeln. Auch beim Gunplay setzt das Spiel voll auf überdrehte Action. Waffen wie Gewehre, Schrotflinten oder LMGs bieten ein bewusst arcadiges Feedback, während Nahkampfwaffen wie Katanas für zusätzliche Brutalität sorgen. Dazu kommen ein deutlich sichtbares Gore-System mit fliegenden Körperteilen, Crafting für Waffenaufsätze und farblich markierte Beute, die ein wenig an Borderlands erinnert. Begrenzte Munition zwingt dich zudem dazu, deine Ressourcen klug einzusetzen. Über einen Skillbaum mit rund fünfzehn Stufen kannst du außerdem Perks wie höhere Geschwindigkeit, Regeneration oder kritischen Schaden freischalten. Ein besonderes Highlight sind die Fahrzeuge. Mit Maschinengewehren ausgestattete Jeeps, gepanzerte Krankenwagen oder massive Rammlastwagen bringen zusätzliche Dynamik ins Spiel. Sie lassen sich mit gesammelten Materialien reparieren und werden in eigenen Missionsteilen eingesetzt, in denen du beispielsweise fährst, während deine Teamkollegen die anstürmenden Monster abwehren. Dadurch wird das klassische „On-Foot“-Gameplay immer wieder aufgelockert. Die postapokalyptischen Karten – von überrannten Städten über Militärbasen bis hin zu verseuchten Sümpfen – sind übersichtlich gestaltet und bieten viele strategische Engstellen und Höhenunterschiede. Nach Abschluss der Kampagne sorgen zusätzliche Modi wie Endless Survival oder verschiedene Herausforderungen dafür, dass der Multiplayer langfristig motiviert bleibt. Schnelles Matchmaking und Bestenlisten geben ambitionierten Teams zusätzlich einen Anreiz, immer bessere Ergebnisse zu erzielen.
Technik, Atmosphäre und Sound
Technisch liefert Saber Interactive insgesamt ein solides Ergebnis ab. Vor allem die Performance überzeugt: Selbst in chaotischen Gefechten mit riesigen Zombiehorden bleibt das Spiel flüssig und stabil. Die Atmosphäre ist gut umgesetzt und hilft dabei, das eher konventionelle Design ein Stück weit auszugleichen. Bei den Kreaturen hätte man sich allerdings etwas mehr Kreativität gewünscht. Viele Gegner wirken optisch vertraut und erinnern stark an Designs, die man bereits aus anderen Zombie-Spielen kennt. Ähnliches gilt für die Schauplätze: Die meisten Missionen führen dich durch bewaldete Gebiete mit verlassenen Gebäuden, die von Vegetation und rötlichen Ranken überwuchert sind. Zusammen mit den purpurfarbenen Blitzen am Himmel entsteht eine Stimmung, die stark an Serien wie Stranger Things erinnert. Ein Element, das dem Gameplay zusätzlich gutgetan hätte, ist eine stärker ausgeprägte Umweltzerstörung. Die Möglichkeit, Zäune, Gebäude oder andere Strukturen zu zerstören, hätte die Kämpfe gegen die Horden noch dynamischer wirken lassen. Positiv fällt hingegen die Bildqualität auf – besonders beeindruckend, wenn gleichzeitig Hunderte Zombies auf dem Bildschirm erscheinen. Auch das Sounddesign überzeugt: Schon bevor du die Untoten siehst, verraten dir ihre Geräusche oft, aus welcher Richtung sie kommen. Mit Kopfhörern kannst du dich daran orientieren, was im Kampf manchmal über Leben und Tod entscheidet. Abgerundet wird das Ganze durch eine energiegeladene Musikauswahl, die perfekt zum 80er-Jahre-Flair des Spiels passt. Synthwave, Heavy Metal und Industrial-Einflüsse begleiten die Action und verleihen den Gefechten zusätzlichen Druck – ganz so, als würde der Soundtrack die apokalyptische Stimmung noch weiter anheizen.

Trailer:
















