Esoteric Ebb

PC, Shadow PC

Mit Esoteric Ebb, entwickelt von Christoffer Bodegård und veröffentlicht von Raw Fury, erwartet dich ein erzählerisch starkes Rollenspiel, das klassische Dungeons-&-Dragons-Mechaniken mit detektivischer Ermittlungsarbeit und einer ungewöhnlichen Fantasywelt verbindet.

 

Ermittlungen in einer seltsamen Stadt

In Esoteric Ebb wachst du im Keller einer Leichenhalle auf – ohne Erinnerung daran, wer du bist oder wie du dort gelandet bist. Schnell erfährst du durch Gespräche mit den Bewohnern der Stadt, dass du ein Geistlicher bist, der geschickt wurde, um eine Explosion in einem örtlichen Teeladen zu untersuchen. Der Vorfall könnte politisch motiviert gewesen sein und die ersten demokratischen Wahlen der Stadt sabotieren. Auf deiner Suche begegnest du einer Reihe exzentrischer Figuren, von denen sich einige deiner Gruppe anschließen können. Oft musst du dabei deine Priesterzauber, deinen Verstand oder kreative Lösungen einsetzen, um ungewöhnliche Situationen zu meistern. Deine Ermittlungen spielen sich in den fünf Tagen vor der Wahl ab. Während du Dialoge führst, Ereignisse erlebst oder dich ausruhst, vergeht die Zeit. Lange Pausen stellen deine Kräfte vollständig wieder her, kosten jedoch wertvolle Stunden, während kurze Pausen weniger effektiv sind, dafür aber schneller gehen. Dadurch musst du deine Zeit sinnvoll einteilen. Zum Glück reicht das Zeitlimit aus, um neben der Hauptuntersuchung auch zahlreiche Nebenquests zu entdecken. Die Stadt Tolstad steckt voller kleiner Geschichten und Geheimnisse, die nach und nach ein lebendiges Bild ihrer Bewohner und ihrer politischen Spannungen zeichnen – und genau das lässt die Spielwelt überraschend glaubwürdig wirken.

DnD-Mechaniken treffen auf erzählerisches Rollenspiel

Esoteric Ebb orientiert sich stark an klassischen Rollenspielen wie Disco Elysium und Planescape: Torment, lässt sich aber ebenso deutlich von Dungeons & Dragons inspirieren. Von Beginn an fühlt sich das Spiel wie eine Pen-&-Paper-Kampagne an: Ein Erzähler tritt als eine Art Dungeon Master auf, während du deinen Kleriker mit den sechs klassischen Attributen aus DnD gestaltest. Diese Werte beeinflussen nicht nur deinen Spielstil, sondern auch Dialoge und Fähigkeitsproben, die du im Verlauf der Geschichte ständig absolvieren musst. Als Kleriker stehen dir außerdem verschiedene Zauber zur Verfügung – von klassischen Heilzaubern bis hin zu Nekromantie, mit der du mit den Toten sprechen kannst. Viele davon haben offensichtliche Einsatzmöglichkeiten, doch das Spiel erlaubt auch überraschend kreative Lösungen. Da du nur eine begrenzte Anzahl an Zaubern ausrüsten und wirken kannst, musst du deine Auswahl gut planen. Dieses System funktioniert erstaunlich gut und verleiht sogar den einzelnen Attributen eigene Persönlichkeiten, ähnlich den inneren Stimmen aus Disco Elysium. Weniger gelungen sind dagegen die gelegentlichen Kommentare des „Dungeon Masters“, die dich daran erinnern, dass du ein Spiel im Spiel erlebst – ein nettes Konzept, das jedoch manchmal etwas aus der Immersion reißt.

Entscheidungen mit Gewicht – und manchmal Glückssache

Die Erzählweise und Entscheidungsfreiheit in Esoteric Ebb gehören zu den stärksten, die du in einem Rollenspiel erleben kannst. Fast jede Entscheidung wirkt sich auf den Verlauf deiner Geschichte aus und beeinflusst das Verhalten der NPCs. Dabei zählen nicht nur Dialoge: Auch gefundene Gegenstände können entscheidend sein, etwa um schwierige Fähigkeitsprüfungen zu bestehen oder gefährliche Situationen ganz zu umgehen. Dieses Design sorgt dafür, dass selbst kleine Entscheidungen Bedeutung bekommen. Allerdings hat dieses System auch seine Schattenseiten. Da viele Begegnungen auf Würfelwürfen basieren, kann Pech schnell frustrierend werden – besonders im Kampf. Verlierst du die Initiative, kann es passieren, dass Gegner dich ausschalten, bevor du überhaupt handeln kannst. Dann landest du wieder im Hauptmenü und hoffst auf einen guten letzten Speicherstand. Solche Momente sind selten, fühlen sich aber unnötig frustrierend an. Trotzdem lohnt sich das Abenteuer bis zum Ende. Esoteric Ebb balanciert Humor und emotionale Momente erstaunlich gut. Besonders die ruhigeren Gespräche mit Begleitern bleiben im Gedächtnis – etwa ein persönlicher Austausch mit dem Goblin Snell während einer Pause in einem Dungeon. Solche Szenen wirken erstaunlich authentisch und zeigen, wie stark das Spiel darin ist, glaubwürdige Figuren und echte zwischenmenschliche Momente zu erzählen.

Trailer:


Fazit

Nachdem sich meine anfänglichen Zweifel schnell gelegt hatten, nahm mich Esoteric Ebb mit auf eine Reise durch Politik, Freundschaft und persönliche Beziehungen, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Zwar gibt es hin und wieder kleinere Frustmomente und ein paar technische Macken, doch diese sind schnell vergessen, sobald du wieder in die faszinierende Welt eintauchst und neugierig darauf bist, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Auch wenn sich Esoteric Ebb deutlich von einigen der größten Vertreter seines Genres inspirieren lässt, gelingt es dem Spiel, diese Einflüsse auf eigene Weise zu verbinden und daraus etwas Eigenständiges zu formen. Das Ergebnis fühlt sich vertraut an – und gleichzeitig überraschend frisch.


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