Randal's Monday (PC) Preview

Grundlage für dieses Preview: Engl. Betaversion vom 15. September 2014

 

Das Genre der klassischen Point-and-Click-Adventures hat bislang ein durchwachsenes Spieljahr 2014 fast ohne nennenswerten Höhepunkten erlebt. Doch mit „Randal's Monday“ erscheint noch ein Hoffnungsträger vor Weihnachten. In der vorliegenden Vorabfassung konnten wir bereits drei von sieben Kapiteln antesten und schildern unsere Eindrücke.

 

Ein gebrauchter Tag

 

Spielfigur Randal Hicks wurde offenbar mit der Schablone des typischen Antihelden entworfen. Als dreister Taugenichts lungert er vornehmlich betrunken in Bars und seiner heruntergekommenen Wohnung ab, zur Arbeit kommt er ohnehin regelmäßig zu spät. Wenn ihm mal das nötige Kleingeld fehlt, beklaut er einfach seine Mitmenschen und macht in seiner Not selbst vor den besten Freunden keinen Halt. So unlängst geschehen nach einer durchzechten Nacht mit dem kostbaren Ring seines besten Kumpels. So nimmt das Unheil am nächsten Tag seinen Lauf: Der Vermieter steht auf der Matte und will endlich die ausstehenden Zahlungen einkassieren.

 

Doch selbst die Flucht über den Notausgang bringt nichts Gutes, sondern wenig später den Verlust des Arbeitsplatzes. Schließlich hat auch sein Chef endgültig genug von seinen ausschweifenden Eskapaden. Randal sieht in seiner Verzweiflung nur noch eine Lösung, nämlich den Verlobungsring seines Freundes beim fadenscheinigen Pfandleiher zu versetzen. Ein großer Fehler, wie sich schnell herausstellt. Ähnlich wie im Kultfilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“ erlebt Randal von nun an denselben Tag immer wieder. Ob er den Fluch des Rings brechen kann, klärt sich in den folgenden Kapiteln.

 

Als überaus mutig erweist sich der schmale Grat zwischen Antipathie und Sympathie mit der Spielfigur. Wo Rufus in „Deponia“ schnell die Herzen von Genre-Anhängern erobern konnte, erweist sich die Angelegenheit mit Randal als ungleich komplizierter. Dass er ständig die Hände in den Taschen vergräbt und erstaunlich oft dem Spieler am Bildschirm den Rücken zuwendet, sind nur oberflächliche Eigenheiten seiner abgrundtief schlechten Charakterzüge. Hinzu kommen noch unübersehbare Verhaltensmuster wie Arroganz, Kleptomanie, Dreistigkeit, Verlogenheit und die emotionale Gleichgültigkeit gegenüber seinen Mitmenschen. Wie und ob sich seine Gesinnung innerhalb der ausstehenden Kapitel entwickelt, wird sehr wahrscheinlich einen großen Reiz von „Randal's Monday“ ausmachen. Viele Nebenfiguren machen einen witzigen Eindruck, beispielsweise hat es uns der völlig naive Polizist Murray direkt angetan. Schließlich glaubt er Randal jedes Wort, sei es noch so absurd.

 

Ein Paradies für Nerds und Geeks

 

Was sich nach einer ernsten Angelegenheit anhört, ist in Wirklichkeit mit einer gehörigen Portion Humor gewürzt, wenngleich nicht für jedermann treffend abgeschmeckt. Grundsätzlich kann nach den ersten Spielstunden festgehalten werden, dass das Abenteuer zwingend ein breites Wissen über Videospiele, Filme und TV-Serien voraussetzt. Aber auch diese werden mit Anspielungen sprichwörtlich erschlagen, weil das Geschehen damit völlig überladen und bisweilen sogar etwas plump und aufgesetzt wirkt. Kaum eine Szene und schon gar kein Schauplatz kommen ohne diese aus, und selbst in den ausschweifenden Dialogen wird nicht gegeizt mit Zitaten aus bekannten Vorbildern. An dieser Stelle daher nur ein kurzer Auszug der ersten Spielstunde: „Space Invaders“, „Ghostbusters“, „The Big Lebowski“, „Zurück in die Zukunft“, „Der Herr der Ringe“, „Turtles“, „Mega Man“, „Super Mario Bros.“, „Sin City“, „Planet der Affen“, „Akte X“, „Day of the Tentacle“, „Indiana Jones“, „Die Simpsons“, usw.. Erwähnenswert ist noch, dass es stellenweise alles andere als zimperlich zur Sache geht. Da wird sich dann schon mal in Großaufnahme übergeben, und auch Themen wie Selbstmord werden hier behandelt.



 

Böse Zungen werden nun behaupten, dass man damit die allenfalls durchschnittliche Spielmechanik kaschieren möchte. Und tatsächlich: „Randal's Monday“ ist hinter der Fassade eher solide und bietet spielerisch keine Überraschungen. In altbekannter Genremanier bewegt sich die Figur gemächlich via Computermaus durch die Umgebung, führt Multiple-Choice-Dialoge, untersucht interessante Gegenstände, benutzt oder kombiniert sie miteinander oder lagert sie im Inventar ab. Trotz einblendbarer Hotspot-Anzeige können vereinzelte Objekte leicht übersehen werden, daher sollten die Schauplätze sehr gründlich durchsucht werden. Ohnehin dürften sich Einsteiger ziemlich oft verloren verkommen, weil nicht immer sofort klar ist, welches Ziel der Spieler eigentlich verfolgt. Eine hilfreiche Tagebuchfunktion könnte hier Abhilfe schaffen. Praktischerweise erspart die U-Bahn-Anbindung nervige Laufwege zwischen den bereits besuchten Orten.

 

Die Qualität der Rätsel schwankt immer wieder zwischen "durchaus nachvollziehbar" und "völlig aus der Luft gegriffen". Wer sich jedoch darauf einlässt und einsieht, dass in Randals Welt alles mehr oder weniger verrücktspielt, dürfte selbst die schwierigsten Kopfnüsse meistern. Beispielsweise hat Klebstoff hier eine besonders starke Wirkung, und wir wollen gar nicht erst näher darauf eingehen, welch verheerende Wirkung der Globus im Büro des Waschmannes hat, wenn er aus der Fassung gerät. Auch hier scheint das ambitionierte Spiel die Klasse von „Deponia“ oder „Harveys neue Augen“ – zumindest in den ersten drei Kapiteln - zu verfehlen.

 

Malerischer Ausblick

 

Technisch sollte man keinen neuen Meilenstein erwarten. Dafür fügen sich sämtliche Schauplätze, Figuren mit ihren überproportional großen Köpfen und Gegenstände zu einem größtenteils stimmigen Gesamtbild zusammen. Detailreichtum, Lebendigkeit und Animationsreichtum von „Deponia“ oder „The Night of the Rabbit“ erreicht „Randal's Monday“ zum derzeitigen Zeitpunkt jedoch nicht. Die Geräuschkulisse präsentiert sich eher spärlich, vielmehr steht die gut betonte Sprachausgabe im Vordergrund. Die englische Vertonung der Vorschauversion passt gut zu den jeweiligen Personen. Bleibt zu hoffen, dass die deutsche Übersetzung da mithalten kann und der allgegenwärtige Wortwitz nicht darunter leidet.

 

Offizieller Trailer von Juli 2013


Fazit

„Randal's Monday“ scheint ein Point-and-Click-Adventure-Geheimtipp für spezielle Geschmäcker zu werden. In erster Linie für diejenigen, denen andere Genretitel zu brav sind und die von Anspielungen nicht genug bekommen können. So viel hat die umfangreiche Vorschauversion bereits offenbart. Bis zur Veröffentlichung sollten die Entwickler unbedingt noch etwas Feintuning betreiben, dazu gehören zusätzliche Hilfestellungen für Neulinge. Eine Tagebuchfunktion könnte hier eine sinnvolle Ergänzung sein. (Christian Schmitz)


Kommentare:
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2014-11-10 13:51:10... - Sergey

ok


Randal's Monday (PC) Preview - Screenshots
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