Octodad: Dadliest Catch (PS4)

Wir durften bereits Delfine in „Ecco the Dolphin“ oder Haie in „Jaws: Unleashed“ spielen. Eine Krake gesellt sich nunmehr hinzu: In „Octodad: Dadliest Catch“ trifft eine total verrückte Spielidee auf die schwammigste Steuerung seit „Tomb Raider: The Angel of Darkness“ – mit dem feinen Unterschied, dass hier kurzweiliger Spielspaß aufkommt.

 

Der Alltag des Tentakels

Die Geschichte beginnt genau dort, wo so viele andere Spiele mit einem Happy End auf den Abspann einstimmen. In der Kirche macht sich Octodad bereit für seine Hochzeit. Der Clou bei der ganzen Sache: Octodad ist eine männliche Krake, seine Gemahlin ein Mensch. Doch offenbar scheint niemand auch nur im Geringsten zu ahnen, dass hier etwas Verrücktes passiert. Die Spielfigur flutscht, wie sich ein Tentakelwesen eben so fortbewegt, durch die Räumlichkeiten, um sich für die Zeremonie angemessen zu kleiden und natürlich nicht aufzufallen. Fortan bestreitet er den völlig normalen Alltag unter Menschen inklusive Haus, Frau, Kindern und allen anfallenden Aufgaben eines fürsorglichen Familienvaters. Alles könnte so schön sein, doch jemand scheint tatsächlich die Tarnung durchschaut zu haben …

Für Lachanfälle und Grinsen während der kompletten Spielzeit von drei bis vier Stunden ist also alles angerichtet. Anhänger der bekannten Zeichentrickserie „Futurama“ dürfte die verblüffende Ähnlichkeit zum Charakter Dr. Zoidberg nicht verborgen bleiben und glücklicherweise nimmt sich das Geschehen zu keiner Zeit wirklich ernst. Es zeigt eine komische Familiengeschichte um einen Oktopus, der sich für einen Menschen hält, in verschiedenen Situationen des Alltags. Sei es beim Einkauf, dem Frühstück oder dem Ausflug ins Aquarium: Chaos und Situationskomik am laufenden Band sind das Ergebnis. Die zehn Abschnitte wirken bisweilen wie unterhaltsame Zeichentrick-Clips.

 

Glubschauge-Tentakel-Koordination

Damit sich das Abenteuer auch spielerisch abhebt, wurde eine besonders schwammige Steuerung integriert, um das Gefühl der Tentakel-Bewegungen passend umzusetzen. Anstatt sich nämlich simpel via Analog-Stick zu bewegen, werden die Fangarme einzeln bedient, und zwar mithilfe beider Control-Sticks sowie der Schultertasten des Gamepads. Erschwerend kommt noch die feste Kameraführung hinzu, die sich nicht frei drehen lässt, sondern am Oktopus hängt. Der Überblick geht trotzdem nur in seltenen Fällen verloren. Die Zielvorgaben sind zumindest auf dem Papier relativ einfach, doch die Praxis gestaltet sich durch diese Steuerungseigenheiten sehr herausfordernd.

Meistens ist die punktgenaue Koordination von Glubschauge und Tentakel notwendig, um beispielsweise eine Leiter zu erklimmen, herumliegenden Bananenschalen auszuweichen oder sich seitlich durch das Tiefkühlregal eines Supermarktes zu bewegen, damit das hungrige Kind seine Pizza bekommt. Dazu kommen so alltägliche Dinge wie Kaffeekochen, Rasenmähen, Unkrautjäten oder Basketball-Spielen. Das alles sollte der Octodad geschickt und - möglichst ohne größeres Aufsehen zu erregen - erledigen, denn ansonsten füllt sich die Aufmerksamkeitsleiste, bis er schließlich enttarnt wird. Durch faire automatische Checkpoints wird das jedoch nie frustrierend. Was sich langweilig liest, ist wirklich sehr unterhaltsam in den Spielablauf eingebunden und versprüht an vielen Ecken Spielwitz.

 

Geringer Wiederspielwert



Auch wenn sich die Spielfigur relativ frei über die Schauplätze bewegen kann, gibt es abseits der Hauptziele ziemlich wenig zu tun. Es gibt lediglich optional sammelbare Krawatten, die zum erneuten Durchspielen motivieren sollen. Im Freispiel darf jede Mission wiederholt werden, was insbesondere im kooperativen Zweispielermodus vor einem Bildschirm viel Spaß bringt. Doch anstatt mit zwei Figuren zu spielen, teilt man sich die Tentakel und das unterhaltsame Chaos ist vorprogrammiert.

 

Zweckmäßige Technik mit witziger Physik

Optisch zeigt sich das Geschicklichkeitsspiel in seiner bunten Zeichentrickaufmachung eher schlicht und wenig detailliert. Umgebungen, Objekte und Figuren sind zwar klar definiert, wirken aber auch ziemlich unrund und allgemein auf dem technischen Stand der vorletzten Konsolengeneration. Dazu kommen Ladezeiten, die etwas kürzer hätten ausfallen können und gelegentliche Ruckeleinlagen, insbesondere zum Ende des Spiels. Grafische Spielereien wie Wasser- und Feuereffekte sowie das Zusammenspiel von Licht und Schatten sind rar gesät. Ärgerlich sind vereinzelte Clipping-Fehler, wenn Tentakel durch Objekte hindurch flutschen und nur unter erschwerten Bedingungen wieder herausgezogen werden können.

Mehr als zweckmäßig ist die Technik also nicht, vielmehr haben sich die Entwickler klar auf die Umsetzung der Physik konzentriert, welche sehr gelungen ist. Die Soundkulisse gibt sich passabel. Octodad selbst brabbelt nur unverständlich vor sich hin und die restlichen Personen sind mit passender englischer Sprachausgabe und deutschen Untertiteln versehen worden. Alle Musikstücke, denen insgesamt der Pepp fehlt, halten sich dezent im Hintergrund. Dafür überzeugen wiederum alle Geräuscheffekte, die gut zur jeweiligen Aktion ins Gehör treffen.

 

Offizieller Trailer (für PC)


Fazit

„Octodad: Dadliest Catch“ ist ein prinzipiell gelungenes Geschicklichkeitsspiel mit einer herrlich verrückten Idee. Wo sonst kann ich einen tollpatschigen Oktopus mit seinen Fangarmen steuern, um die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen? Leider ist das frische Abenteuer viel zu schnell vorbei. Über die technische Schlichtheit kann ich getrost hinwegsehen, weil auch der kooperative Modus für kurzweilige wie chaotische Momente sorgt. Auf diesem Wege fordere ich neue Episoden an. (Christian Schmitz)


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Octodad: Dadliest Catch - Screenshots zum DLH.Net Review
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