Castlevania: Lords of Shadow - Mirror of Fate

 

Unzählige Abenteuer hat Konamis Vampir-Videospielreihe "Castlevania" seit 27 Jahren hervorgebracht, doch in diesem Jahr will das Entwicklerstudio Mercury Steam gleich doppelt zulangen: Dabei soll der 3DS-Titel "Mirror of Fate" den roten Faden zwischen "Castlevania: Lords of Shadow" aus dem Jahr 2010 und dem angekündigten Nachfolger spannen, der ebenfalls in diesem Jahr erscheinen soll. Ob 3D-Effekte und das Zusammentreffen von Tradition und Neuinterpretation dem Zwischenspiel noch mehr Biss verleihen, klärt dieses Review.

Alle gegen Dracula

Rache war und ist schon immer ein durchaus beliebtes Motiv gewesen, um sich in Videospielen dem ultimativen Bösen entgegenzustellen. Im allerersten 3DS-Ableger der "Castlevania"-Reihe bestehen direkt drei Charaktere auf ihr Recht nach Vergeltung gegenüber dem finsteren Vampirfürsten Dracula. Dieser konnte offenbar seine spitzen Beißerchen nicht ruhig halten und hat es insbesondere auf die Belmonts abgesehen. Aufmerksamen Spielern von "Castlevania: Lords of Shadow" bleibt sicherlich der Ernst der brisanten Ausgangslage nicht verborgen, wenn sich ausgerechnet eben jene Familie Belmont, vertreten durch Simon, Trevor sowie Alucard Belmont, beschwingt ins Abenteuer stürzen. Dieser Konflikt hegt schließlich jahrelange Tradition. Das Trio startet zwar zeitlich unabhängig voneinander seine Route zum Schloss, begegnet sich aber während der etwa zehnstündigen Spielzeit immer wieder, bis ihre Wege schlussendlich zum großen Finale zusammenführen.

Wegen des klaren Feindbildes und aller spürbaren Bemühungen ist die Handheld-Geschichte genau das, was man sich davon erwarten durfte, nämlich ein kleiner Appetithappen zwischen den großen Mahlzeiten. Mehr aber auch nicht. Überraschungen bleiben für Kenner des Vorgängers aus. Bis auf gegenseitige Sympathiebekundungen vor Bosskämpfen fehlt es einfach an erleuchtenden Dialogen, die dem Verlauf einen motivierenden Anschub geben könnten. Vielmehr sind es kleine Nebengeschichten am Rande, die verstorbene Abenteurer in Schriftrollenform hinterlassen haben und so in den atmosphärisch dichten Gemäuern für eine schauderhafte Stimmung sorgen. Von "Castlevania: Lords of Shadow 2" sollten jedoch weitaus mehr epische Momente ausgehen und der eine oder andere interessante Nebencharakter darf sich auch dazugesellen. Davon bietet der 3DS-Ausflug insgesamt einfach zu wenig.

Tradition trifft Neuinterpretation

Spielerisch treffen hier zwei erfolgversprechende Welten aufeinander: Zum einen das klassische Gefühl zweidimensionaler Sidescroll-Action mit Sprungeinlagen und zum anderen Maßnahmen, die schon beim 3D-Action-Adventure "Castlevania: Lords of Shadow" Gefallen gefunden haben. Das wird bereits im interaktiven Prolog mehr als deutlich, wenn sich Gabriel, Hauptprotagonist des Vorgängers, etwas oberflächlich mit der Kampf-, Block und Kontermechanik auseinandersetzt. Gleichzeitig dient diese knappe Einleitung als interaktives Tutorial. Jedem der drei bereits angesprochenen Spielcharaktere ist jeweils ein Kapitel gewidmet, um sich aufeinander folgend gegen allerlei Fantasiewesen wie bissige Werwölfe, listige Gnomen, fliegende Harpyien, faulende Zombies oder Skelette zu wehren, um nur eine Handvoll Gegnertypen aufzuzählen. Höhepunkte sind natürlich die Bosskämpfe, die über mehrere Phasen gehen und nur durch Ausnutzung der Verhaltensmuster siegreich gestaltet werden können. Der endgültige Todesstoß erfolgt schlussendlich durch einen Quicktime-Event.

Erste Gehversuche mit Simon gestalten sich zäh, ehe sich dem Inventar neben der Peitsche noch Wurfäxte sowie das Kampfkreuz hinzugesellen. Dadurch fallen Begegnungen mit Widersachern deutlich kurzweiliger aus, außerdem bieten Schutz- bzw. Angriffsengel weitere Möglichkeiten zur Vorgehensweise, benötigen jedoch Magie. Erledigte Gegner und dafür vorgesehene, großzügig verteilte, Auffüllpunkte spenden mehr als genügend davon. Alucard nutzt neben seinen Schattenklingen die deutlich stärkere Werwolfform, hetzt Fledermäuse los oder gleitet als Geist durch Feinde hindurch. Trevor hat explosive Bumerangs im Inventar, verteilt mit Schattenmagie mehr Schaden oder saugt per Lichtmagie Lebensenergie ab. An Jungbrunnen wird Lebenskraft regeneriert.

Neben kleinen Kistenschiebereien oder Geschicklichkeitseinlagen in hüpfender bzw. schwingender Bewegung nimmt das eingängige, dynamische aber simple Kampfsystem mit freischaltbaren Combos den Großteil der Spielzeit in Anspruch. Insgesamt hätte das Abenteuer durchaus mehr spielerische Abwechslung vertragen können, der Ablauf wirkt routiniert und ohne frische Ideen.

Das alles spielt sich auf dem oberen 3DS-Bildschirm ab, der untere hat jedoch auch seine gewisse Daseinsberechtigung, er dient der Orientierung und entfaltet obendrein noch Retro-Charme: Kleine Vierecke aktualisieren sich von selbst, sobald sich die Spielfigur Schritt für Schritt bewegt. Zudem werden Gesundheits- sowie Magiestandorte ebenso angedeutet wie Ausgänge oder versteckte Schatztruhen. Darin befinden sich permanente Lebenskraft-, Magie- oder Munitionssteigerungen. Praktisch: Eigene Notizen können per Touchpen hinzugefügt werden.



Grafisch fein - aber klein

Optisch gehört "Mirror of Fate", trotz bisweilen relativ kleiner Schauplätze, die zudem durch häufige Ladezeiten verbunden sind, mit optionalen 3D-Effekten zu den schönsten 2D-Action-Adventures auf Handhelds. Insbesondere Wassereffekte sowie großartige Hintergründe wissen zu überzeugen. Auch die fantastische Figurengestaltung, sowie Licht- und Schattenstimmung zeichnen ein passendes, düsteres Gesamtbild mit nur wenigen Einbrüchen der Bildrate. Positiver Nebeneffekt von 3D: Texturen und Animationen wirken ungleich geschmeidiger, ein spielerischer Nutzen ist dabei allerdings leider nicht vorhanden. Zwischensequenzen werden entweder übergangslos in Spielgrafik oder in malerisch hübschen, animierten Filmschnipseln präsentiert.

Makabre Soundkulisse

Viel Routine bekommt das Ohr zu hören. Geräuschkulisse sowie Soundeffekte sind immer passend und beängstigend - ein absolutes Plus für Atmosphäre und Stimmung wenn es zu Kämpfen kommt oder einer der Protagonisten auch mal nichts anderes macht, als seelenruhig vor schönem Panorama durch die Spielumgebung zu stapfen. Englische Sprecher machen ihre Sache erfreulich gut, bekommen aber aufgrund des akuten Dialog-Mangels nicht besonders viel Gelegenheit, ihr wahres Können unter Beweis zu stellen. Gleiches gilt für die Musikuntermalung, die wenigen Stücke sind zwar gut und geizen nicht mit epischem Unterton, wiederholen sich jedoch rasch.

  

Fazit

Bei so vielen Titeln im "Castlevania"-Universum fällt es schon ungemein schwer, diesen soliden Brückenteil ohne große Stärken und Schwächen herauszuheben - auch im direkten Vergleich zu überragenden Handheld-Legenden wie "Dawn of Sorrow" oder "Order of Ecclesia" zieht das erste 3DS-Abenteuer klar den Kürzeren. Anhänger der klassischen Reihe könnten hiermit aber deutlich mehr Spaß haben als noch mit dem Vorgänger, der vielen Fans zu kräftig in Richtung "God of War" schielte.

 

(15.05.2013)

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