BrokenLore: DON’T LIE

Shadow PC, PC

Mit „BrokenLore: DON’T LIE“ erwartet dich ein atmosphärisches Horror-Abenteuer, das dich durch Junkos verzerrte Wahrnehmung führt und dabei Realität, Wahnvorstellungen und düstere Geheimnisse miteinander verbindet.

 

Eine Reise durch Junkos Vergangenheit

„BrokenLore: DON’T LIE“ erzählt die Geschichte von Junko, einer Hikikomori mit einem zwanghaften Hang zum Lügen. Zu Beginn spielt sie ihr Lieblings-Side-Scrolling-Videospiel, das du sogar selbst steuern kannst, als sie plötzlich durch ein Klingeln an der Tür unterbrochen wird. Durch den Türspion entdeckt Junko einen fremden Mann mit einer Hasenmaske. Seine rätselhaften Worte verunsichern sie, weshalb sie die Tür nicht öffnet und darauf wartet, dass er wieder verschwindet. Es bleibt jedoch nicht bei dieser einen Begegnung. Kurz darauf ruft Junko Hideo an, einen alten „Freund“ aus der psychiatrischen Klinik, in der sie einst untergebracht war. Schnell wird deutlich, dass er nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte – auch wenn Junko diese Ablehnung nicht wahrhaben will. Nach dem Gespräch gerät sie in Panik, als ihr Körper plötzlich zu jucken beginnt. Sie flüchtet ins Badezimmer und nimmt ihre Medikamente ein. Die Krise lässt nach, doch damit beginnt ihr eigentliches Abenteuer erst. Als sich die Wohnungstür plötzlich von selbst öffnet, wagt sich Junko in den Flur ihres Wohnkomplexes und findet sich vor einem bizarren Anblick wieder: ein riesiger Raum voller Pools, während die Stimmen ihrer Eltern in ihrem Kopf widerhallen. Von diesem Moment an erkundet Junko zunehmend verzerrte Manifestationen ihrer Vergangenheit, die sich wie ein einziger Fiebertraum anfühlen. Während du tiefer in ihre Erinnerungen eintauchst, erfährst du immer mehr über ihre Geschichte und versuchst gleichzeitig zu verstehen, welche Bedeutung hinter den surrealen Bildern steckt. Am Ende bleibt vor allem eine Frage zurück: Was davon war tatsächlich real – und was hat Junko wirklich getan?

Erkundung zwischen Realität und Albtraum

Wie schon die vorherigen Teile lässt sich „DON’T LIE“ am besten als Walking Simulator beschreiben. Im Mittelpunkt steht die Erkundung von Junkos Wohnung und den verschiedenen Bereichen ihrer verzerrten Realität. Du interagierst mit einigen Objekten und entdeckst dabei nach und nach neue Facetten ihrer Geschichte. Stealth-Elemente oder klassische Rätsel gibt es diesmal nicht, dafür kommt später eine einfache Kampfmechanik hinzu. Sobald Junko das Schwert aus ihrem Videospiel erhält, tauchen auch in der vermeintlichen Realität Monster auf. Besonders interessant ist dabei die ungewöhnliche Mischung aus realistisch dargestellten Umgebungen und cartoonartigen Kreaturen. Wenn du auf sie einstichst und sie zu bluten beginnen, stellt sich unweigerlich die Frage, was Junko hier eigentlich „wirklich“ angreift. Ihre bizarren Bewegungen sorgen dabei für einige der ungewöhnlichsten Momente der Serie. Zwar gibt es auch einige Schreckmomente, besonders intensiv fallen diese jedoch nicht aus. Der eigentliche Horror entsteht vielmehr durch die Themen und die Konsequenzen von Junkos Handlungen. Eine interessante Abwechslung ist zudem eine Art umgekehrte Verfolgungsjagd, bei der du diesmal selbst die Rolle des Verfolgers übernimmst. Diese ungewöhnliche Idee würde ich mir auch für zukünftige Teile wünschen.  Für zusätzliche Erkundungsmotivation sorgen versteckte Schatztruhen mit weiteren Dokumenten. Um sie zu öffnen, musst du zunächst die dazugehörigen Schlüssel finden, die teilweise ausgesprochen gut versteckt sind. Einen kleinen Schlüssel hinter einer Säule im Schatten und einen weiteren in der Ecke eines mit Luftballons gefüllten Raums hätte ich ohne genaues Hinsehen vermutlich nie entdeckt. Obwohl es insgesamt weniger Sammelobjekte gibt, macht das Schlüsselsystem die Suche deutlich umfangreicher. Zudem ist das wahre Ende an bestimmte Entdeckungen geknüpft. Eine Kapitelauswahl erleichtert es dir glücklicherweise, verpasste Gegenstände nachträglich zu finden. Dabei solltest du allerdings darauf achten, tatsächlich die Kapitelauswahl zu verwenden: Über „Neues Spiel“ gelangst du ebenfalls zu einem Kapitelmenü, kannst dabei aber versehentlich deinen Spielfortschritt zurücksetzen. Spielerisch bleibt „DON’T LIE“ insgesamt eher simpel, trotzdem macht die Erkundung dank der abwechslungsreichen Umgebungen viel Spaß. An einigen Stellen hätte ich mir größere Bereiche oder eine konsequentere Ausarbeitung der jeweiligen Ideen gewünscht, dennoch gibt es fast überall etwas Neues zu entdecken. Auch Junkos Videospiel hat mir überraschend viel Spaß gemacht. Leider kannst du die einzelnen Level nur bis zu einem bestimmten Punkt spielen, bevor das Klingeln an der Tür die Szene beendet. Von diesem kleinen Spiel im Spiel hätte ich in zukünftigen Teilen daher gerne noch mehr gesehen.

Ein weiteres Puzzleteil

„BrokenLore: DON’T LIE“ hat mir insgesamt viel Spaß gemacht. Zwar hätte ich mir etwas mehr Zeit mit Junko und zusätzliche unheimliche Momente in ihrer Wohnung gewünscht, doch die Geschichte konnte mich letztlich überzeugen. Statt dir alles direkt zu erklären, versteckt das Spiel wichtige Informationen in den zahlreichen Details der Spielwelt. Einige davon knüpfen zudem an die übergreifende Handlung der gesamten Serie an. Allerdings bleiben auch diesmal viele Fragen offen. Selbst mit dem Vorwissen aus den vorherigen Teilen gibt es noch ein großes Rätsel, dessen wahre Bedeutung weiterhin im Verborgenen liegt. Jeder neue Teil liefert weitere Hinweise und fügt dem Gesamtbild ein paar zusätzliche Puzzleteile hinzu. Genau das dürfte Fans der Serie immer wieder zurückkehren lassen, denn mit jeder Episode wächst das Verständnis für die größeren Zusammenhänge – ohne dass dabei alle Geheimnisse sofort gelüftet werden. Positiv fällt außerdem auf, dass „DON’T LIE“ nicht einfach auf die üblichen Horror-Klischees setzt. Langwierige Stealth-Passagen bleiben dir erspart, während die wenigen Verfolgungsabschnitte mit einer ungewöhnlichen Mechanik aufwarten. Dadurch sind sie zwar weniger spannend, aber gleichzeitig deutlich weniger frustrierend. Die treibende Musik sorgt dennoch dafür, dass du aufmerksam bleibst. Gerade im Kontext der Serie gefällt mir dieser Ansatz. Stealth kann in Horrorspielen durchaus funktionieren, wird aber schnell eintönig, wenn dieselbe Mechanik immer wieder verwendet wird. „BrokenLore“ geht hier einen anderen Weg: Jeder Teil variiert seine Spielmechaniken und stellt bekannte Regeln teilweise sogar komplett auf den Kopf. Dadurch bleibt die Serie trotz ihrer gemeinsamen thematischen Grundlage angenehm abwechslungsreich.

Trailer


Fazit

„BrokenLore: DON’T LIE“ ist eine weitere unterhaltsame Episode der „BrokenLore“-Reihe und überzeugt vor allem mit seiner interessanten Prämisse. Die Frage, was tatsächlich real ist und was nur in Junkos Wahrnehmung existiert, zieht sich dabei spannend durch das gesamte AbenteueDie Mischung aus verzerrten Realitäten, surrealen Umgebungen und einer Geschichte voller offener Fragen sorgt dafür, dass du bis zum Ende neugierig bleibst. Zwar handelt es sich auch diesmal nur um ein kleines Puzzleteil im größeren Gesamtbild der Reihe, doch genau dieses Rätsel macht die Episode sehenswert.


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