
Mit „SPRAWL Zero“ erwartet dich ein rasanter Old-School-Ego-Shooter, der schnelle Action, Bullet Time, improvisierte Waffenwechsel und markantes Retro-Flair miteinander verbindet.
Weniger Parkour, mehr direkte Action
Der größte Unterschied macht sich bereits im ersten Level bemerkbar: Parkour spielt in „SPRAWL Zero“ kaum noch eine Rolle. Während „SPRAWL“ sein Gameplay stark auf Wandläufe, Sprungkombinationen, Rutschen und vertikale Höhenwechsel ausrichtete und die Level dadurch zu regelrechten Hindernisparcours machte, holt dich der Nachfolger buchstäblich wieder auf den Boden zurück. Eine ähnliche Entwicklung war bereits bei id Software von „DOOM Eternal“ zu „DOOM: The Dark Ages“ zu beobachten. Auch hier weicht die extrem schnelle, vertikale Bewegung einem schwereren und stärker auf direkte Konfrontationen ausgelegten Spielstil. Langsam ist „SPRAWL Zero“ deshalb aber keineswegs. Ein unbegrenzter Sprint und die Bullet Time mit kurzer Abklingzeit ermöglichen es dir, dich weiterhin agil zu bewegen, Geschossen auszuweichen und Gegner auszuschalten. Auch die Level wurden entsprechend angepasst. Statt auf extreme Vertikalität setzen die weitläufigen Karten stärker auf Deckungsmöglichkeiten hinter Mauern, Säulen und anderen Umgebungselementen. Zahlreiche Checkpoints sorgen zudem dafür, dass du nach einem Fehlschlag nicht zu viel Fortschritt verlierst. Gerätst du dennoch in einen Kugelhagel, hilft dir das Gravity Shield. Es absorbiert bestimmte Angriffe und schleudert das feindliche Feuer zurück zum Absender. Wer seine Spezialfähigkeiten geschickt kombiniert, hat dadurch selbst in brenzligen Situationen gute Chancen. Während der Bullet Time erleichtert zudem eine automatische Zielhilfe das Treffen der Gegner – solange du deine Fähigkeiten zum richtigen Zeitpunkt einsetzt.

Waffen als Verbrauchsgüter
Die zweite große Neuerung in „SPRAWL Zero“ betrifft das Waffenarsenal. Vergiss die emotionale Bindung an dein Lieblingsgewehr und das zwanghafte Horten von Munition – hier sind Waffen Verbrauchsgüter. Du sammelst sie ein, schießt sie leer und wirfst sie anschließend im wahrsten Sinne des Wortes weg. Statt Munition zu suchen, nutzt du vor allem das, was du direkt in der Umgebung findest. Dafür sorgen die Gravity Gloves. Gefallene Waffen musst du nicht erst mühsam aufsammeln: Du visierst sie einfach an und ziehst sie aus mehreren Metern Entfernung zu dir – ganz wie Thor seinen Hammer. Dasselbe funktioniert mit Kisten, Sprengfässern und zahlreichen anderen Objekten, die du ebenfalls an dich ziehen und gegen deine Gegner einsetzen kannst. Dadurch wird das Schlachtfeld zu einem temporären Arsenal, in dem nahezu alles zur Waffe werden kann. Anfangs erfordert dieses System etwas Umgewöhnung. Schließlich haben uns Ego-Shooter jahrzehntelang beigebracht, eine Waffe auszuwählen, sie möglichst lange zu behalten und sorgfältig mit ihrer Munition umzugehen. In „SPRAWL Zero“ solltest du stattdessen eher wie in „Hotline Miami“ denken: Du wechselst ständig zwischen den Waffen, die gerade verfügbar sind, und improvisierst von Situation zu Situation. Mit mehr als 40 Waffen gibt es dabei einiges zu entdecken – von der Ausrüstung der Junta bis hin zu den tödlichen Entwicklungen von IMAGO-DEI. Dadurch entsteht ein Kampfsystem, das stark von Improvisation lebt: Du betrittst einen Raum mit einem Gewehr und verlässt ihn mit einer völlig anderen Waffe, nachdem du zwischendurch noch einige Exemplare auf deine Gegner geschleudert hast.
Keine klassischen Bosskämpfe
„SPRAWL Zero“ hat offenbar wenig Interesse an klassischen Bosskämpfen. Statt dich nach mehreren Levels vor einem riesigen Monster in einer abgeschlossenen Arena wiederzufinden, setzt MAETH auf ein System, das eher an alte Side-Scrolling-Actionspiele erinnert: Gegner, die beim ersten Aufeinandertreffen noch wie unüberwindbare Albträume wirken, gehören einige Levels später plötzlich zur normalen Infanterie. Dadurch entsteht eine natürliche Stärke-Skala. Zu Beginn zeichnen sich bestimmte Gegner durch hohe Widerstandsfähigkeit, starke Nahkampfangriffe oder enorme Feuerkraft aus und fühlen sich entsprechend wie Mini-Bosse an. Während FIVE jedoch stärker wird und du lernst, Bullet Time, Gravity Shield und deine Mobilität effektiver einzusetzen, verlieren diese Feinde zunehmend ihren Schrecken. Das funktioniert vor allem deshalb so gut, weil das Spiel deinen Fortschritt nicht über Statistiken oder Zahlen vermittelt. Du selbst merkst, dass ein Gegner, der dich vor einer halben Stunde noch ordentlich ins Schwitzen gebracht hat, plötzlich mitten im Gefecht problemlos zu besiegen ist. Größere Gegner wirken dadurch nicht wie künstlich eingeschobene Bosskämpfe, sondern als natürliche Weiterentwicklung der Action. Abgerundet wird das Ganze durch eine bewusst retro gehaltene, aber keineswegs altbackene Grafik und ein passendes Sounddesign. Dröhnende Waffen, wuchtige Effekte und ein treibender elektronischer Soundtrack halten das Tempo konstant hoch. Wenn du nostalgische Gefühle für die direkten Ego-Shooter der PS2- und ersten Xbox-Ära hast, dürfte „SPRAWL Zero“ genau deinen Geschmack treffen. Aber auch ohne Retro-Nostalgie funktioniert das Konzept hervorragend: Wenn du einfach nur einen Raum betreten und auf alles schießen möchtest, was sich bewegt, bist du hier ebenfalls richtig.

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