
Mit „Bus Simulator 27“ erwartet dich eine umfangreiche Bussimulation, die eine große Spielwelt, eine vielfältige Fahrzeugflotte, Unternehmensmanagement und erstmals auch Fernbusse miteinander verbindet.
Eine lebendige Spielwelt
Die Spielwelt von „Bus Simulator 27“ ist für mich eines der überzeugendsten Elemente des Spiels. Felicia Bay ist eine große, fiktive Region in Südeuropa, die klar von Spanien und Portugal inspiriert ist und sich damit deutlich von den Schauplätzen der Vorgänger unterscheidet. Mit Alcaztelar und Mequina erwarten dich zwei miteinander verbundene Städte, die insgesamt 20 Stadtteile umfassen. Vom Wohngebiet über belebte Stadtzentren und die Uferpromenade bis hin zu engen Gassen und weitläufigen Überlandstrecken vermittelt die Region erstmals das Gefühl, tatsächlich in einem zusammenhängenden Gebiet unterwegs zu sein, anstatt lediglich einzelne Strecken zwischen Haltestellen abzufahren. Der vollständige Tag-Nacht-Zyklus und das dynamische Wetter sorgen zusätzlich für Abwechslung. Eine bekannte Route wirkt bei strahlendem Sonnenschein am Nachmittag völlig anders als bei einer regnerischen Nacht – auch wenn schlechtes Wetter teilweise stärker auf die Performance schlagen kann. Dank zahlreicher Fußgänger, dichtem Verkehr und markanter Sehenswürdigkeiten macht es zudem Spaß, einfach auf eigene Faust durch die Stadt zu fahren. Du kannst sogar aus deinem Bus aussteigen und die Umgebung zu Fuß erkunden, um Sehenswürdigkeiten und versteckte Objekte zu entdecken. Dadurch wirkt Felicia Bay nicht nur wie eine Kulisse für deine Buslinien, sondern wie eine eigenständige, lebendige Spielwelt.

Die Busse im Mittelpunkt
Natürlich sind die Busse die eigentlichen Protagonisten. Die Fahrzeugflotte umfasst mehr als 45 Modelle von 13 realen Herstellern, darunter Mercedes-Benz, MAN, IVECO BUS, Solaris, Scania und Volvo. Das Angebot reicht von klassischen Solobussen über Gelenk- und Doppeldecker bis hin zu Elektrofahrzeugen. Die größte Neuerung der Serie sind jedoch die Fernbusse. Dass du nun nicht mehr auf innerstädtische Strecken beschränkt bist, sorgt für deutlich mehr Abwechslung und ermöglicht längere Fahrten durch die Außenbezirke von Felicia Bay. Gleichzeitig musst du deinen Fahrstil stärker an das jeweilige Fahrzeug anpassen. Ein Gelenkbus verlangt beispielsweise an engen Kreuzungen deutlich mehr Aufmerksamkeit, während auf längeren Strecken vor allem ein gleichmäßiges Tempo gefragt ist. Gerade wenn alles reibungslos funktioniert, zeigt „Bus Simulator 27“ sein eigentliches Potenzial. Eine Linie vorzubereiten, bei Sonnenuntergang loszufahren, Haltestelle für Haltestelle abzuarbeiten und dabei zu beobachten, wie sich die Landschaft langsam verändert, kann erstaunlich entspannend sein. Leider spielt die Stadt dabei nicht immer mit.
Vom Fahrer zum Unternehmer
Das Fahren ist allerdings nur ein Teil von „Bus Simulator 27“. Die Management-Komponente lässt dich eigene Linien einrichten, Fahrpläne erstellen, Busse zuweisen und Fahrer einstellen, die deine Verbindungen selbstständig übernehmen. Dein Ziel ist es, das Vertrauen der Einwohner in den öffentlichen Nahverkehr von Felicia Bay zurückzugewinnen und dein Unternehmen Schritt für Schritt zu einem gut funktionierenden Betrieb auszubauen. Zu Beginn hältst du deine Flotte noch überschaubar, doch mit zunehmender Größe musst du genau überlegen, welche Gebiete du abdecken und wie du deine Fahrzeuge optimal einsetzen möchtest. Zusätzlich kannst du deine Busse mit eigenen Lackierungen und Werbeflächen individualisieren. Drei Spielmodi bestimmen dabei, wie viel Freiheit du bei der Unternehmensführung hast. Der Story-Modus führt dich stärker durch den Spielverlauf, während der Karriere-Modus mehr Freiraum bei der Organisation bietet. Im Sandbox-Modus kannst du schließlich nahezu ohne Einschränkungen auf die verschiedenen Systeme zugreifen. Interessant ist zudem, dass du nicht dauerhaft selbst hinter dem Steuer sitzen musst. Du kannst auch als Kontrolleur durch die Busse gehen und das Geschehen überprüfen oder einfach als Fahrgast mitfahren. Diese kleinen Perspektivwechsel sind zwar kein entscheidendes Feature, geben dir aber die Möglichkeit, das von dir aufgebaute Verkehrsnetz einmal aus einer völlig anderen Sicht zu erleben.

Wenn die KI zum Problem wird
Während deiner Fahrten können jederzeit zufällige Ereignisse auftreten. Fahrgäste sorgen für Probleme, Unfälle behindern den Verkehr oder du musst den regulären Linienbetrieb vorübergehend unterbrechen. Grundsätzlich ist das eine gute Idee, da dadurch nicht jede Fahrt völlig vorhersehbar abläuft. Gleichzeitig offenbaren diese Situationen jedoch eine der größten Schwächen des Spiels: die künstliche Intelligenz des Verkehrs. KI-Fahrzeuge halten teilweise ohne ersichtlichen Grund an, bleiben an Kreuzungen hängen oder reagieren wenig glaubwürdig auf deinen Bus. So kann es passieren, dass du vor einem stehenden Fahrzeug nicht weiterkommst und zum Ausweichen die Fahrspur verlassen musst – nur um anschließend für einen Verkehrsverstoß bestraft zu werden. In anderen Situationen fährt dir ein KI-Fahrzeug in den Bus, obwohl du dich völlig korrekt verhalten hast. Gerade in einem Simulator, bei dem die Einhaltung von Verkehrsregeln eine zentrale Rolle spielt, ist es besonders frustrierend, für die Fehler der KI zur Verantwortung gezogen zu werden. Auch Blinker, Kreuzungen und die Erkennung von Verkehrsverstößen funktionieren nicht immer zuverlässig. Die Entwickler haben bereits mit Updates reagiert und einige Strafen vorübergehend angepasst, um ungerechtfertigte Sanktionen zu vermeiden. Das zeigt zwar, dass die Problematik erkannt wurde, beseitigt sie aber nicht vollständig. Weitere kleinere Schwächen betreffen die Fahrgäste. Unsaubere Animationen, Personen, die in Türen stecken bleiben, oder wenig glaubwürdige Verhaltensweisen können die eigentlich überzeugende Immersion schnell zerstören. Auch das Navigationssystem schlägt gelegentlich unlogische Routen vor. Wer mit einem Lenkrad spielt, muss sich zudem teilweise erst durch die nicht immer eindeutige Tastenbelegung arbeiten. Die Unterstützung gängiger Peripheriegeräte ist zwar vorhanden, eine intuitivere Einrichtung wäre jedoch wünschenswert. Es sind letztlich weniger einzelne gravierende Fehler als vielmehr viele kleine Unzulänglichkeiten, die den Gesamteindruck trüben. „Bus Simulator 27“ funktioniert über weite Strecken überzeugend – doch wenn plötzlich ein KI-Fahrzeug für Chaos sorgt oder ein unberechtigter Strafpunkt auftaucht, ist das Gefühl, tatsächlich hinter dem Steuer eines Linienbusses zu sitzen, schnell dahin.
Gemeinsam unterwegs und technisch anspruchsvoll
Eines der interessantesten Features ist der Online-Koop für bis zu vier Spieler inklusive Cross-Play. Dabei fährst du nicht einfach nur gemeinsam durch die Stadt, sondern kannst auch bei der Unternehmensführung zusammenarbeiten, Linien koordinieren und euer Verkehrsnetz gemeinsam ausbauen. Gerade für einen Simulator, der traditionell eher als Einzelspieler-Erlebnis gedacht ist, stellt das eine sinnvolle Ergänzung dar. Mit Freunden verschiedene Verbindungen zu organisieren oder gleichzeitig unterschiedliche Stadtteile zu bedienen, macht das Spiel deutlich dynamischer. Auf dem PC steht zudem Mod-Unterstützung über mod.io zur Verfügung. Eine aktive Community könnte langfristig für zusätzlichen Content sorgen und damit die Lebensdauer des Spiels erheblich verlängern. Auch die Fahrzeugauswahl trägt zur Abwechslung bei. Mit mehr als 45 Bussen steht eine große Flotte zur Verfügung, wobei sich die Modelle nicht nur optisch unterscheiden. Größe, Konfiguration und Antriebsart wirken sich auch auf das Fahrverhalten und den Umgang mit bestimmten Strecken aus. Optisch profitiert Felicia Bay von der Unreal Engine 5. Besonders die Beleuchtung am Abend, die Küstenregionen und einige markante Stadtviertel sorgen für schöne Ausblicke und verleihen der Spielwelt mehr Persönlichkeit als noch in den Vorgängern. Allerdings fordert die aufwendigere Technik ihren Preis. Selbst leistungsstarke PCs können bei Regen, dichtem Verkehr oder in besonders detaillierten Bereichen mit Einbrüchen der Bildrate zu kämpfen haben. Auch die empfohlenen Systemanforderungen fallen mit 32 GB RAM und einer leistungsstarken Grafikkarte vergleichsweise hoch aus. Wie gut das Gesamtpaket derzeit funktioniert, zeigt auch der Blick auf die Steam-Bewertungen wenige Tage nach dem Release: Die Gesamtwertung ist noch „gemischt“. Viele Spieler loben die große Karte, die Busvielfalt und das Fahrgefühl, während Verkehr, Bugs und fehlender Feinschliff regelmäßig kritisiert werden. „Bus Simulator 27“ befindet sich damit aktuell irgendwo zwischen vielversprechender Weiterentwicklung und dringend notwendigem Feinschliff.

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