NBA 2K27

PlayStation 5

„NBA 2K27“ liefert erneut starkes Basketball-Gameplay und zahlreiche Inhalte, wird durch seine aggressive Monetarisierung und den fehlenden großen Fortschritt jedoch spürbar ausgebremst.

Starkes Gameplay als Fundament

Ich bin überzeugt davon, dass die NBA-2K-Reihe in den vergangenen Jahren spielerisch deutlich zugelegt hat und mittlerweile zu den besten Sportspiel-Serien gehört. NBA 2K27 hinterlässt bei mir dennoch gemischte Gefühle: Auf dem Spielfeld überzeugt es weiterhin, während andere Bereiche des Spiels einige Schwächen zeigen. Beginnen wir mit dem wichtigsten Aspekt eines Sportspiels: dem Gameplay und dem Gefühl, den echten Sport möglichst authentisch virtuell zu erleben. Genau hier kann NBA 2K erneut punkten. Der Basketball wirkt realistisch simuliert, und auch wenn die jährlichen Änderungen meist eher schrittweise ausfallen, entwickelt sich das Spiel weiterhin weiter. Für NBA 2K27 wurden laut Entwicklerangaben über 7.000 neue Animationen integriert. Das lässt sich natürlich nur schwer überprüfen, doch die dahinterstehende ProPlay-Technologie sorgt durchaus für sichtbar realistischere Bewegungen. Dabei liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Offensive. Neue, situationsabhängige Dunk-Animationen, eine überarbeitete Layup-Engine, die Bewegungen in der Luft dynamischer anpasst, sowie zusätzliche Dribbling-Moves sollen für mehr Authentizität und Abwechslung sorgen.

Anspruchsvolleres Wurfsystem

Offensiv ist das Werfen in NBA 2K27 etwas anspruchsvoller geworden – zumindest, bis du dich an das neue Timing gewöhnt hast. Auch online berichten Spieler von deutlich niedrigeren Dreierquoten. Das begrüße ich, denn wenn nahezu jeder problemlos 80 Prozent seiner Dreier verwandelt, verliert das Spiel schnell an Realismus und Herausforderung. Beim „Rhythm Shooting“ nutzt du einen der beiden Sticks, um die Bewegung deines Spielers mit dem Wurf zu synchronisieren. Entscheidend ist dabei, die grüne Zone der Wurfanzeige im richtigen Moment zu treffen. Zu frühes oder spätes Timing führt entsprechend zum Fehlwurf. Beherrschst du das System jedoch, kannst du dir einen Vorteil verschaffen: Mit zunehmender Sicherheit wird die grüne Zone größer und ermöglicht dir konstantere Würfe. Bei schlechtem Timing wird sie dagegen wieder kleiner. Das „Button Shooting“ ist deutlich zugänglicher und eignet sich besonders für Einsteiger. Hier reicht ein Tastendruck, um das richtige Timing zu treffen, während du beim Rhythm Shooting zwei Bewegungen mit dem Stick ausführen musst. Nicht nur dein eigenes Timing entscheidet über den Erfolg. Auch die Verteidigung hat einen deutlich größeren Einfluss auf deine Würfe. Ein Verteidiger mit erhobener Hand macht einen Abschluss schließlich wesentlich schwieriger als ein völlig offener Wurf. NBA 2K27 verbessert deshalb auch die defensive Mechanik: Mit dem rechten Stick kannst du aktiv die Arme einsetzen und Würfe gezielt stören. Je nach Situation kannst du dabei aggressiver oder kontrollierter verteidigen, um den Gegner unter Druck zu setzen, ohne unnötige Fouls zu riskieren.

Verbesserte Defensive und Karrieremodus

Manuelle Blockversuche bleiben weiterhin möglich und werden nun durch ein farbcodiertes Feedback ergänzt, das dir direkt zeigt, wie gut dein Verteidigungsversuch war. Die größte Neuerung ist jedoch das überarbeitete Kollisionssystem mit dem Ball. Dabei werden die Eigenschaften beider Spieler berücksichtigt, um zu bestimmen, ob ein Kontakt beispielsweise für einen Ballverlust ausreicht. Dadurch wird körperbetonte und gut getimte Verteidigung stärker belohnt, während der Ballführer weiterhin die Möglichkeit hat, den Ball zu behaupten. Auch die Größe der Spieler spielt dadurch eine größere Rolle. Große Akteure wie Victor Wembanyama haben deutlich bessere Voraussetzungen für Blocks – und gegen den Franzosen in der Nähe einen Wurf anzusetzen, kann schnell zur schlechten Idee werden. Insgesamt funktioniert der Basketball-Modus hervorragend. Das gilt auch für den Karrieremodus, in dem du deinen eigenen Spieler erstellst und dessen Weg bis in die NBA verfolgst. Während viele Sportspiele ihre Story-Kampagnen inzwischen komplett gestrichen haben, hält NBA 2K an dieser Tradition fest. Die Geschichten sind zwar längst nicht mehr so verrückt wie in früheren Jahren, verleihen deinem Spieler aber weiterhin Persönlichkeit und einen eigenen Werdegang. Nachdem im vergangenen Jahr Europa im Mittelpunkt stand, dreht sich in NBA 2K27 alles um die G-League. Dein Spieler gilt als großes Nachwuchstalent, doch ein Unfall wirft seine Karriere zurück. Zwei Jahre später kämpfst du darum, wieder auf dich aufmerksam zu machen und den Sprung zurück in den Draft zu schaffen. Dafür führt dein Weg zunächst über die G-League, wobei du dich für eines von zwei Teams entscheidest und bis zum Draft-Tag um deine NBA-Chance kämpfst. Wenn du die Geschichte überspringen möchtest, kannst du alternativ direkt in die NBA einsteigen. So bleibt dir selbst überlassen, wie viel Zeit du in den Karriereaufbau investieren möchtest.

MyCareer mit bitterem Beigeschmack

Ich mag „MyCareer“ und habe den Modus schon immer gerne gespielt. Umso unverständlicher finde ich die Entscheidung, den Offline-Karrieremodus vollständig an „MyCity“ zu koppeln. Dein erstellter Spieler wird in beiden Modi verwendet und kann nur mit der spielinternen Währung verbessert werden. Auch wenn du keinerlei Interesse am Online-Modus hast, musst du diese Währung investieren – und davon brauchst du eine Menge, um deinen Spieler wirklich konkurrenzfähig zu machen. Gerade in der Basisversion des Spiels kann das frustrierend sein: Du trittst mit einem schwach entwickelten Spieler gegen Stars wie Jokic, LeBron oder Wembanyama an, während du gleichzeitig dazu gedrängt wirst, virtuelle Währung zu investieren. Mit „MyCareer Eras“ kommt in diesem Jahr eine weitere interessante Idee hinzu. Du kannst deinen eigenen Spieler in verschiedene Basketball-Epochen schicken – von Magic vs. Bird über Jordan und Kobe bis hin zu LeBron und Curry. Jede Ära bietet eigene Kader, Arenen und Regeln. Klingt großartig, hat allerdings einen entscheidenden Haken: Du kannst dafür nicht deinen bereits entwickelten Spieler aus dem Story-Modus verwenden. Stattdessen musst du für jede Ära einen neuen Charakter erstellen und erneut aufleveln. Wer alle fünf Epochen spielen möchte, braucht somit fünf separate Spieler. Das ist für mich besonders schwer nachvollziehbar, da die Möglichkeit, den bereits über Stunden entwickelten Charakter zu verwenden, eigentlich auf der Hand liegt. Trotz dieser Kritik bringt „MyCareer“ auch zwei erfreuliche Neuerungen mit. Zum einen kannst du die Karriere erstmals im Koop-Modus erleben, wobei ein zweiter Spieler die Rolle von Trace Miller übernimmt. Zum anderen lassen sich nun auch weibliche Spielerinnen erstellen. Diese stehen allerdings ausschließlich in „MyCity“ zur Verfügung.

MyCity zwischen Vielfalt und Monetarisierung

„MyCity“ ist wohl der Modus, bei dem die Meinungen am weitesten auseinandergehen. Als Online-Plattform bietet NBA 2K hier allerdings eine beeindruckende Vielfalt. Mit „The REC“, „Theatre“, „Street Kings“, „Park“, „Proving Grounds“, „Starting 5“, „Crew HQ“, „Rucker Park“ und weiteren Bereichen findest du zahlreiche Möglichkeiten, online gegen andere Spieler anzutreten. Jeden einzelnen Modus vorzustellen, würde allerdings den Rahmen dieser Rezension sprengen. Eine besonders gute Ergänzung ist „Casual Corner“. Dort kannst du unkompliziert 3-gegen-3- oder 5-gegen-5-Partien gegen Spieler auf einem ähnlichen Niveau bestreiten. Je besser du wirst, desto stärker werden auch deine Gegner. Gerade für Einsteiger ist das ein sinnvoller Einstieg, um die ersten Schritte im Online-Modus ohne großen Druck zu machen. Doch MyCity hat auch eine deutliche Schattenseite. Wer mithalten möchte, sieht sich schnell mit hohen Kosten, optimierten Charakter-Builds und einem gewissen „Gatekeeping“ konfrontiert. Dazu kommt, dass der zentrale Bereich wie ein Einkaufszentrum aufgebaut ist, in dem du zahlreiche kosmetische Gegenstände wie Schuhe, Kleidung, Bälle oder Taschen kaufen kannst – und vieles davon ist alles andere als günstig. Noch problematischer wird es bei „MyTeam“, dem Ultimate-Team-Modus der Reihe. Für mich bleibt er einer der aggressivsten Vertreter seiner Art. Nur wenige Spieler lassen sich kostenlos freischalten, während ein Großteil des Kaders über Kartenpakete erhältlich ist. Im Vergleich zu anderen Sportspielen fällt das besonders negativ auf, da du dort teilweise deutlich schneller ein konkurrenzfähiges Team aufbauen kannst, ohne zusätzlich Geld investieren zu müssen. An „MyTeam“ selbst hat sich in NBA 2K27 nur wenig verändert. Eine kleinere Neuerung ist, dass deine Spieler nach Partien XP sammeln und damit bestimmte Attribute verbessern können. Ansonsten bleibt das Grundprinzip weitgehend unverändert – und angesichts der starken Monetarisierung überrascht das leider kaum.

MyNBA mit sinnvollen Neuerungen

„MyNBA“, der Modus, in dem du ein Team oder einen Spieler managen kannst, erhält in diesem Jahr erfreulich viele Verbesserungen. Während solche Management-Modi bei Sportspielen häufig zugunsten lukrativerer Inhalte vernachlässigt werden, spendiert NBA 2K27 mehr als 20 Neuerungen. Zu den wichtigsten gehört das überarbeitete Free-Agency-System. Die besten verfügbaren Spieler berücksichtigen nun verschiedene Faktoren, bevor sie sich für ein Team entscheiden. Dazu gehören beispielsweise Vertragsboni, persönliche Wünsche oder sogar die Forderung, einen bestimmten Rivalen aus dem Weg zu räumen. Zusätzlich verfügt dein GM nun über eine Vertrauensbewertung von bis zu 100. Ein hohes Vertrauen erhöht die Chance, dass Spieler bei dir unterschreiben, während ein schlechter Ruf Vertragsverhandlungen deutlich schwieriger und teurer machen kann. Auch Trades mit bis zu vier beteiligten Teams sind nun möglich. Das Highlight ist jedoch „MyNBA Legacy“, das Management- und Karrieremodus miteinander verbindet. Du wählst einen Spieler aus und entscheidest, ob du als Rookie oder auf seinem aktuellen Leistungsniveau startest. Gleichzeitig übernimmst du die Rolle des GMs und kannst dein Team bis zu 100 Jahre lang führen. Nach 25 Jahren geht dein Spieler in den Ruhestand, bevor du seine Karriere als dessen Sohn fortsetzt. „MyNBA Legacy“ ist damit eine unterhaltsame Ergänzung für alle, die Spielerkarriere und Vereinsmanagement miteinander verbinden möchten.

Trailer


Fazit

NBA 2K27 macht auf dem Basketballplatz vieles richtig und gehört spielerisch weiterhin zu den stärksten Sportspielen. Gleichzeitig zeigen sich abseits des eigentlichen Gameplays einige deutliche Schwächen. Optisch hat sich die Reihe in den vergangenen Jahren kaum weiterentwickelt. Das Spiel sieht keineswegs schlecht aus, doch langsam wäre ein größerer technischer Sprung wünschenswert. Noch schwerer wiegt für mich die starke Monetarisierung, die sich durch mehrere Spielmodi zieht und die spielinterne Währung immer wieder in den Mittelpunkt rückt. Zwar gibt es mit „MyNBA“ und insbesondere „MyNBA Legacy“ einige wirklich gelungene Neuerungen, insgesamt wirkt die Serie jedoch zunehmend festgefahren. NBA 2K27 bleibt ein starkes Basketballspiel – aber abseits des Courts fehlt inzwischen spürbar der große Schritt nach vorn.


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