
„NHL 27“ liefert mehr Inhalte, eine verbesserte Präsentation und zahlreiche Detailverbesserungen, bleibt spielerisch aber näher am Gewohnten, als es der große Umfang vermuten lässt.
Starker erster Eindruck
Der erste Eindruck von „NHL 27“ fällt positiv aus. Optisch wirkt das Spiel deutlich ansprechender, vor allem dank der detaillierter gestalteten Arenen und der moderneren Präsentation. EA hat alle 32 NHL-Arenen mit individuellen Details, Torjubeln, Fangesängen und Publikumsreaktionen neu gestaltet. Dazu kommt ein neues Kommentatorenteam mit John Buccigross und Darren Pang. Die Vision ist klar: Jede Arena soll ihre eigene Eishockey-Atmosphäre vermitteln. Sobald das Spiel beginnt, fühlt sich vieles allerdings erstaunlich vertraut an. Das ist keineswegs schlecht, denn „NHL 27“ spielt sich unterhaltsam und bietet ein hohes Tempo. Ein Moment lang baust du einen präzisen Angriff auf, im nächsten dreht der Gegner das Spiel und du fragst dich, wie du den Puck überhaupt so leicht verlieren konntest. Genau diese Unberechenbarkeit macht den Reiz des Eishockeys aus. Auch die Torhüter tragen ihren Teil dazu bei – allerdings nicht immer auf positive Weise. Ihre Leistungen schwanken zwischen spektakulären Paraden und fragwürdigen Gegentoren, was durchaus realistisch wirken kann. Gegen die KI entsteht jedoch gelegentlich der Eindruck, dass der gegnerische Torwart plötzlich beschlossen hat, zum nächsten Patrick Roy zu werden. Egal aus welchem Winkel du schießt, wie gut du Abpraller vorbereitest oder klare Chancen herausspielst – manchmal scheint der Puck einfach nicht ins Netz zu wollen. Das größere Problem sind für mich allerdings nicht die Torhüter, sondern deine Mitspieler.

KI mit guten Ansätzen, aber Schwächen
EA hat viel Arbeit in eine neue, kohärentere KI gesteckt. Deine Mitspieler sollen das Spiel besser lesen, sich gegenseitig unterstützen und sich stärker wie eine echte Fünfer-Einheit verhalten. Zudem verfügt jedes der 32 NHL-Teams über ein eigenes taktisches Spielbuch, das auf realen NHL-EDGE-Daten basiert. Ein Team mit aggressivem Forechecking soll sich dadurch beispielsweise deutlich anders verhalten als eine Mannschaft, die den Puck bevorzugt durch die neutrale Zone bewegt. Auf dem Papier klingt das vielversprechend, in der Praxis gibt es jedoch weiterhin einige Probleme. Noch immer kommt es regelmäßig vor, dass sich ein Mitspieler völlig unverständlich positioniert. Besonders ärgerlich wird es, wenn du mit dem Puck einen freien Raum suchst und dein eigener Mitspieler genau dort entlangläuft. Wechselst du die Richtung, folgt er dir – nur um kurz darauf wieder ganz woanders aufzutauchen. Dadurch entstehen nicht immer die Räume, die du für einen sauberen Spielzug benötigst. Auch das Aktivieren oder Deaktivieren des manuellen Passsystems löst dieses Problem nicht vollständig. Es handelt sich also nicht um eine einfache Einstellung, mit der sich der Frust beseitigen lässt.Positiv ist hingegen, dass du Schüsse, Pässe und weitere Gameplay-Elemente umfangreich an deine Vorlieben anpassen kannst. Diese Optionen stehen allerdings nicht in den Online-Modi zur Verfügung, weshalb du dort stärker mit den vorgegebenen Mechaniken leben musst. Auch mit dem Schusssystem hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten. Der „Skill Stick“ bietet zwar eine präzise und vielseitige Steuerung, benötigt aber eine gewisse Eingewöhnungszeit. Erst nach einigen Stunden beginnen deine Hände wirklich umzusetzen, was dein Kopf ihnen vorgibt – bis dahin kann die Bedienung durchaus ungewohnt und frustrierend sein.
Umfangreiche Steuerung, viel Abwechslung
Mit „Total Control“, „Skill Stick“ und „Hybrid“ bietet NHL 27 verschiedene Steuerungsvarianten, sodass du die für dich passende Konfiguration wählen kannst. Erfahrene NHL-Spieler dürften daran viel Freude haben, während Einsteiger zunächst eine steile Lernkurve erwartet. Gerade das Steuerungsschema wirkt stellenweise eher wie eine Befehlsliste aus einem Kampfspiel als wie eine zugängliche Möglichkeit, entspannt eine Runde Eishockey zu spielen. Nach etwas Eingewöhnung geht vieles leichter von der Hand, trotzdem hätte ich mir einen deutlich kürzeren Lernprozess gewünscht. Beim Umfang verdient EA dennoch Anerkennung. NHL 27 bietet sowohl offline als auch online zahlreiche Möglichkeiten. Besonders hervorzuheben ist „Connected Franchise“, das auf Wunsch der Community zurückkehrt. Bis zu 32 Spieler können darin ihre eigenen Teams in einer gemeinsamen Online-Liga verwalten – inklusive flexibler Spielpläne, Teammanagement, Transfers und umfangreicher Werkzeuge für den Ligaleiter. Der Modus ist damit darauf ausgelegt, langfristig zu motivieren. Auch für Einzelspieler gibt es einiges zu tun. „Be A Pro“ ermöglicht eine persönliche Karriere, während „Hockey Ultimate Team“ und „World of Chel“ den Fokus auf Teambuilding und die Entwicklung eigener Spieler legen. Ich selbst werde mich zwar weiterhin hauptsächlich auf die regulären Partien konzentrieren, begrüße aber die große Auswahl. NHL 27 spricht damit nicht nur einen bestimmten Spielertyp an, sondern kombiniert klassische Matches, Karrieremodi, Online-Ligen und actionreiche Arcade-Varianten. Gerade Letztere sorgen für eine willkommene Abwechslung. Auf kleineren Eisflächen treten Dreierteams gegeneinander an, wodurch schnell ein angenehm chaotisches und vor allem unterhaltsames Spieltempo entsteht. An fehlenden Inhalten mangelt es NHL 27 definitiv nicht – und genau das führt zu meinem größten Kritikpunkt.

Viel verbessert, wenig verändert
Grafik, Arenen und Präsentation wurden sichtbar aufgewertet, dazu kommen neue taktische Funktionen, Spielzüge und eine große Menge an Inhalten. EA hat an vielen Stellen nachgebessert und das Gesamtpaket spürbar verfeinert. Auf dem Eis fehlt mir allerdings häufig das Gefühl, dass sich NHL 27 dadurch grundlegend weiterentwickelt hat. Das ist zugleich die größte Stärke und das größte Problem des Spiels: NHL 27 spielt sich wie NHL. Das funktioniert, macht Spaß und kann dich so sehr in eine Partie hineinziehen, dass du plötzlich länger spielst als geplant. Wenn ein Angriff perfekt aufgebaut ist und der Puck nach einer gelungenen Kombination in der oberen Ecke landet, bleibt das ein äußerst befriedigendes Eishockey-Erlebnis. Trotzdem hatte ich mir mehr erhofft. Intelligentere Teamkollegen, deutlichere Unterschiede zwischen den Taktiken und ein zugänglicheres Steuerungsschema hätten dem Spiel gutgetan. Vor allem fehlt mir aber dieses besondere Gefühl von: „Mensch, das ist wirklich etwas Neues.“ Genau dieser Wow-Effekt stellt sich nur selten ein.
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