Captain Tsubasa 2: World Fighters

Shadow PC, PC

Mit „Captain Tsubasa 2: World Fighters“ kehrt die legendäre Fußballserie mit spektakulären Matches, neuen Gameplay-Elementen und einer umfangreichen Kampagne zurück – doch nicht alle Stärken des Vorgängers haben den Sprung in die nächste Runde geschafft.

 

Eine umfangreiche, aber weniger freie Geschichte

„Captain Tsubasa 2: World Fighters“ knüpft nahtlos an den Vorgänger an und widmet sich dem beliebten „World Youth“-Handlungsbogen, der auch bei langjährigen Manga-Lesern zu den Favoriten zählt. Im Story-Modus kannst du erneut mithilfe eines überraschend umfangreichen Editors einen eigenen Charakter erstellen. Selbst ausgefallene Kreationen fügen sich dabei überzeugend in den grafischen Stil der Serie ein. In seiner Rolle begleitest du Tsubasa und die japanische Nationalmannschaft auf ihrem Weg zur Jugend-Weltmeisterschaft. Dein Alter Ego kann jede Position auf dem Spielfeld übernehmen – sogar die des Torhüters. Über die ausgerüsteten Moves lässt sich zudem die Spielweise anpassen, sodass du verschiedene Ansätze ausprobieren kannst. Die Individualisierung beschränkt sich damit nicht nur auf das Aussehen. Im Vergleich zu „Rise of New Champions“ gibt es allerdings eine wichtige Einschränkung: Du steuerst und entwickelst nur einen individuell erstellten Spieler. Anders als im „New Hero“-Modus kannst du keine Gruppe eigener Athleten aufbauen und über mehrere Partien hinweg weiterentwickeln. Dadurch geht ein Teil des Sammel- und Entwicklungsaspekts verloren, der im Vorgänger einen zusätzlichen Anreiz für erneute Durchläufe bot. Auch die Karriere deines Avatars verläuft stärker nach einem vorgegebenen Muster, sodass die anfängliche Wahl zwischen verschiedenen Schulen entfällt. Trotzdem bietet die Geschichte mehrere alternative Inhalte. Neben der „New Stars Route“ stehen die Pfade „Legendary“ und „Advanced“ zur Verfügung, die eigene Entwicklungen und zusätzliche Herausforderungen bieten. Das direkt von Takahashi betreute Drehbuch wird außerdem durch zahlreiche Nebenszenarien ergänzt. Diese vertiefen die Beziehungen und Hintergründe der Nebenfiguren und bringen sogar Situationen und Mannschaften ins Spiel, die im Original-Manga nicht vorkommen. Auch das aus dem Vorgänger bekannte Karten- und Freundschaftssystem wurde überarbeitet. Beziehungen zu anderen Spielern werden nun vor allem über die „Link Scenarios“ und verschiedene Nebenhandlungen aufgebaut. Dadurch lernst du die Charaktere besser kennen und kannst neue Techniken erlernen. Die Interaktionen sind also weiterhin vorhanden, erfüllen bei der Entwicklung deines Alter Egos jedoch eine andere Funktion. Insgesamt erwartet dich eine umfangreiche Geschichte, deren vollständiger Durchlauf problemlos mehr als zwanzig Stunden dauern kann. Dabei entsteht tatsächlich das Gefühl, neue Episoden des Animes zu erleben, anstatt lediglich eine Videospiel-Adaption des bekannten Materials zu spielen. Optionale Herausforderungen und freischaltbare Inhalte sorgen zudem für zusätzliche Motivation, bereits absolvierte Partien erneut zu spielen. Die Freiheit bei der Gestaltung deiner Karriere fällt allerdings geringer aus als im Vorgänger. Beim Erzähltempo zeigen sich jedoch einige Schwächen. Die Zwischensequenzen beschränken sich nicht auf die Zeit vor und nach den Partien, sondern unterbrechen die Action teilweise auch mitten im Spiel. Gerade während spannender Aufholjagden können Szenen oder Dialoge den Spielfluss empfindlich ausbremsen – zumal sich manche dieser Unterbrechungen problemlos hätten kürzen lassen. Glücklicherweise kannst du die Zwischenspiele überspringen, was besonders bei wiederholten Durchläufen hilfreich ist. Weniger überzeugend ist hingegen die Rolle des selbst erstellten Protagonisten. Charakterlich bleibt er eher blass, während seine Dialogoptionen kaum Einfluss auf den Handlungsverlauf nehmen. Dadurch wirken sie eher wie eine nette Spielerei als wie ein wirklich relevantes Element der Geschichte. Das erzählerische Gewicht liegt somit weiterhin klar auf Tsubasa und der übrigen Stammbesetzung.

Spektakuläre Fußball-Action mit taktischer Tiefe

Auf dem Spielfeld bleibt „Captain Tsubasa 2: World Fighters“ dem Grundkonzept des Vorgängers treu: Du passt den Ball, dribbelst, gehst in Zweikämpfe und suchst die passende Lücke für deinen Abschluss. Wer „EA Sports FC“ oder „eFootball“ kennt, findet sich zunächst schnell zurecht. Allerdings solltest du klassische Gewohnheiten aus realistischen Fußballsimulationen rasch ablegen. Tamsoft Corporation treibt die Grundlagen des Sports bewusst ins Extreme, sodass das Spiel eher an ein Kampfsportturnier mit 22 Spielern als an eine realistische Fußballsimulation erinnert. Spektakuläre Aktionen lassen sich mit ebenso übertriebenen Gegenmanövern beantworten. Dadurch entsteht ein permanentes Hin und Her, das stellenweise fast wie ein Kampfspiel funktioniert. Die wichtigste Neuerung ist dabei das Chain-System: Durch erfolgreiche Aktionen wie Dribblings und Zweikämpfe sowie den Einsatz von Super-Pässen oder Super-Dribblings baust du eine Kette auf, die deine Stufe erhöht. Dadurch werden deine Schüsse stärker und lassen sich schneller aufladen. Besonders interessant ist, dass dieser Vorteil bei einem Ballverlust nicht einfach verschwindet, sondern auf den Gegner übergeht. Ballbesitz wird damit zu einer wertvollen Ressource, die du noch bewusster verteidigen musst. Das sorgt für eine zusätzliche taktische Ebene und belohnt dich dafür, Spielzüge gezielt aufzubauen, anstatt möglichst schnell den stärksten Schuss abzufeuern. Zwar belohnte bereits der Vorgänger aufeinanderfolgende Dribblings mit besseren Abschlussmöglichkeiten, doch durch das neue System gewinnt die Verkettung deiner Aktionen deutlich an Bedeutung. Auch die Super-Moves sind nun stärker in das Spielsystem eingebunden. Eine eigene Leiste füllt sich durch erfolgreiche Aktionen auf dem Spielfeld und ermöglicht den Einsatz verschiedener Spezialtechniken. Dazu gehören Super-Schüsse, Super-Pässe, Super-Dribblings, Super-Zweikämpfe und Super-Blocks. Es handelt sich weniger um völlig neue Mechaniken als um eine sinnvolle Weiterentwicklung und Neuordnung der bereits bekannten Techniken. Für zusätzliche spektakuläre Momente sorgen die „Wunderzüge“. Unter bestimmten Bedingungen kannst du damit durch eine entscheidende Parade oder eine mächtige Mannschaftstechnik den Spielverlauf noch einmal komplett drehen. Genau solche übertriebenen und inszenierten Aktionen machen den besonderen Charme von „Captain Tsubasa“ aus und sorgen selbst bei Spielern, die mit der Serie bisher wenig zu tun hatten, für ein breites Grinsen.

Spannende Duelle mit dem Torwart

Zu den gelungensten Neuerungen in „Captain Tsubasa 2: World Fighters“ gehört zweifellos das überarbeitete Torwartsystem. Die Energieleiste, die sich durch gegnerische Schüsse leert, war bereits aus „Rise of New Champions“ bekannt. Neu ist jedoch, wie stark du nun in das Duell zwischen Schütze und Torwart eingebunden wirst – insbesondere durch die „Break“-Mechanik. Ein einfacher Schuss führt bei einem Torwart in Bestform nur selten zum Erfolg. Stattdessen musst du ihn mit mehreren Abschlüssen zunehmend erschöpfen und dabei Distanz und Winkel variieren, bevor du zum entscheidenden Angriff ansetzt. Schütze und Torwart wählen dafür jeweils eine von sechs möglichen Richtungen. Stimmen Flugbahn und erwartete Richtung überein, beeinflusst dies, wie viel Energie der Torwart bei der Parade verliert. Besonders interessant wird es beim „Break“: Übersteigt die Kraft deines Schusses die verbleibende Energie des Torwarts, wird nicht nur seine aktuelle Ausdauer aufgebraucht – auch seine maximale Energie sinkt. Seine Fähigkeit, weitere Angriffe abzuwehren, wird dadurch dauerhaft innerhalb des Duells geschwächt. Das vermittelt bei jedem Angriff auf den Strafraum ein wenig das Gefühl eines Bosskampfs und sorgt gerade in wichtigen Momenten für zusätzlichen Nervenkitzel. Allerdings funktioniert die Vorhersage der Flugbahn nicht immer überzeugend. Teilweise fühlt sie sich eher wie ein Rätsel als wie eine taktische Einschätzung des gegnerischen Verhaltens an, was auch an der nicht immer eindeutigen visuellen Darstellung liegt. Hinzu kommen einige kleinere Schwächen bei besonders aggressiven Zweikämpfen, die dem Ballführer kaum Reaktionszeit lassen. Auch manche vorgefertigten Offensivkombinationen lassen sich in Strafraumnähe etwas zu leicht ausführen.

Mehr Inhalt, aber weniger Freiheit

Im Vergleich zum Vorgänger wird das Angebot in einigen Bereichen erweitert, während es an anderer Stelle deutlich an Umfang verliert. Neben dem umfangreichen Story-Modus stehen dir über 110 Spieler und 22 Nationalmannschaften zur Verfügung, ergänzt durch Vereins- und Schulmannschaften. Einige Teams musst du allerdings erst im Verlauf der Kampagne freischalten. Darüber hinaus gibt es einen Trainingsmodus, der dir dabei hilft, die bereits zu Beginn erstaunlich umfangreichen Spielmechaniken zu verinnerlichen. Freie Partien gegen die KI oder lokal gegen einen zweiten Spieler sowie verschiedene Online-Modi runden das Angebot ab. Online kannst du dich in Ranglisten- und freien Spielen messen oder private Herausforderungen austragen. An Möglichkeiten für direkte Duelle mangelt es somit grundsätzlich nicht.  Die Schwächen werden vor allem im direkten Vergleich mit dem Vorgänger deutlich. Sowohl offline als auch online können nur noch zwei statt vier Spieler teilnehmen, wodurch Partien im 2-gegen-2 vollständig entfallen. Auch der „Championship“-Modus mit seinen frei konfigurierbaren Turnieren und Meisterschaften wurde gestrichen. Im Vorgänger konntest du K.-o.-Wettbewerbe oder Rundenturniere mit vier bis sechzehn Mannschaften erstellen. Wer abseits der Kampagne nach einer längerfristigen Beschäftigung suchte, verliert damit eine wichtige Alternative zu einzelnen Freundschaftsspielen. Auch bei der Mannschaftsverwaltung gibt es Abstriche. Das „Team Edit“-Menü ist zwar weiterhin vorhanden und erlaubt es dir, Aufstellungen anzupassen oder einen eigenen Spieler hinzuzufügen. Mit dem früheren „Dream Team Edit“ kann es jedoch nicht mithalten. Dort konntest du deine Wunschmannschaft frei aus verschiedenen Spielern zusammenstellen und ihr mit eigenen Namen, Wappen und Trikots eine individuelle Identität verleihen. Genau diese Freiheit fehlt nun. Zusammen mit der Beschränkung auf einen einzigen Avatar wird dadurch auch der Experimentierfreiraum kleiner, der im Vorgänger dazu einlud, neue Charaktere zu entwickeln und sie immer wieder in unterschiedlichen Teams einzusetzen. Damit bleibt ausgerechnet der Multiplayer-Bereich sowie das Angebot abseits der Hauptgeschichte hinter den Möglichkeiten des Vorgängers zurück. Die einzelnen Partien können dank des weiterentwickelten Gameplays zwar mehr Spaß machen, doch die Möglichkeiten, sie nach eigenen Vorstellungen zu nutzen, wurden nicht entsprechend erweitert. Ein größerer Kader und ein ausgefeilteres Spielsystem können daher nicht vollständig darüber hinwegtäuschen, dass einige der interessantesten Inhalte des Vorgängers ersatzlos weggefallen sind.

Anime-Charme statt Fotorealismus

Optisch setzt „Captain Tsubasa 2: World Fighters“ nicht auf Fotorealismus, sondern bleibt seinem dreidimensionalen, vom Zeichenstil Takahashis inspirierten Look treu. Die Charaktermodelle sind sorgfältig gestaltet, während vor allem die Animationen der Spezialbewegungen zu den Highlights der Präsentation gehören. Die Stadien und Umgebungen wirken dagegen vergleichsweise schlicht und erreichen nicht die Ausdruckskraft der spektakulären Szenen auf dem Spielfeld. Technisch läuft das Spiel während unseres Tests erfreulich stabil. Selbst in hektischen Situationen mit zahlreichen Effekten bleiben die Bildraten konstant. Die PC-Version unterstützt bis zu 4K-Auflösung und maximal 60 fps, verzichtet allerdings auf HDR. Damit wird das visuelle Spektakel zwar überzeugend präsentiert, Besitzer von Monitoren mit hoher Bildwiederholrate können deren Potenzial jedoch nicht vollständig ausschöpfen. Auch beim Sound gibt es wenig Anlass zur Kritik. Die japanische Synchronisation überzeugt mit viel Ausdruck und passt hervorragend zur Atmosphäre der Serie. Ergänzt wird sie durch einen englischen Kommentator, während die erzählerischen Sequenzen ohne englische Sprachausgabe auskommen müssen. Die Musik fügt sich ebenfalls stimmig in das sportliche und jugendliche Flair von „Captain Tsubasa“ ein. Etwas eintöniger fällt dagegen der Kommentator aus. Seine Sprüche wiederholen sich im Laufe der Spielzeit zunehmend, sodass die akustische Begleitung der Partien auf Dauer an Abwechslung verliert.

Trailer


Fazit

„Captain Tsubasa 2: World Fighters“ verbessert das Spielgeschehen auf dem Platz spürbar, erweist sich abseits davon jedoch nicht in allen Bereichen als ebenso überzeugende Fortsetzung. Das Chain-System, die überarbeiteten Torhüterduelle und die spektakulären Spezialaktionen sorgen für unterhaltsame und taktisch interessante Partien. Dazu kommen ein umfangreicher Kader und eine großzügige Kampagne, die Fans der Serie einiges zu bieten haben. Gleichzeitig wiegen die Abstriche gegenüber dem Vorgänger schwer: Du hast weniger Freiheit bei der Entwicklung eigener Spieler, kannst keine individuellen Traummannschaften mehr zusammenstellen und musst auch bei den alternativen Spielmodi deutliche Einschränkungen hinnehmen. Insgesamt liefert Tamsoft Corporation ein gelungenes und unterhaltsames Arcade-Fußballspiel ab, das vor allem Fans von „Captain Tsubasa“ begeistern dürfte. Dennoch lässt die Fortsetzung einen Teil der kreativen Freiheit und des Umfangs, die den Vorgänger besonders gemacht haben, leider in der Umkleidekabine zurück.


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