Beast of Reincarnation

PlayStation 5

„Beast of Reincarnation“ entführt dich in ein postapokalyptisches Japan, in dem du als Emma gegen gefährliche Nushi kämpfst und dabei eine faszinierende, aber nicht ganz ausgereifte Welt erkundest.

 

Eine melancholische Zukunft

„Beast of Reincarnation“ entführt dich ins Japan des Jahres 4026 – rund 2.000 Jahre in der Zukunft. Aus dem einstigen Land ist eine überwucherte, postapokalyptische Wildnis geworden, in der die Überreste unserer Zivilisation langsam von der Natur zurückerobert werden. Die wenigen Menschen leben in abgeschotteten Kolonien, während geheimnisvolle Golems für Schutz und Ordnung sorgen. Bedroht wird diese Welt von den Nushi, tödlichen Kreaturen, die alle 100 Jahre das Erwachen der sogenannten Bestie der Reinkarnation erwarten. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, begibst du dich als Emma auf eine gefährliche Reise. Als „Versieglerin“ kann sie die Ausläufer der Plage in sich aufnehmen und die Kräfte besiegter Nushi nutzen. Begleitet wird sie von der geheimnisvollen Violet und dem mächtigen Hund Kuu. Die eigentliche Stärke liegt dabei weniger in der Handlung als in der Atmosphäre und dem gelungenen Worldbuilding. Verfallene Gebäude, überwucherte Bahnstrecken und die Überreste alter Golems erzählen auf stille Weise von einer untergegangenen Welt. Das Szenario erinnert zwar stellenweise an bekannte Werke wie „NieR“, „Stellar Blade“ oder „Princess Mononoke“, entwickelt aber dennoch seinen eigenen melancholischen Charme. Leider kann die Handlung dieses Potenzial nicht vollständig ausschöpfen. Über die rund 20 Stunden Spielzeit bleibt die Erzählung oft langsam und vorhersehbar, während interessante Wendungen kaum Wirkung entfalten. Auch die Charaktere bleiben vergleichsweise eindimensional. Schade, denn die faszinierende Welt und ihre Hintergrundgeschichte hätten deutlich mehr Tiefe verdient.

Schnelle Kämpfe mit viel Abwechslung

Wo „Beast of Reincarnation“ bei der Geschichte schwächelt, kann das Gameplay deutlich mehr überzeugen. Das Kampfsystem verbindet schnelle Schwertangriffe mit präzisen Paraden und erinnert dabei unübersehbar an Spiele wie „Stellar Blade“ und „Sekiro“. Du kannst verschiedene Angriffe zu Combos verbinden, die sich im Laufe des Spiels durch besiegte Nushi-Bosse erweitern. Zusätzliche aktive und passive Fähigkeiten sorgen für weitere Möglichkeiten. Besonders interessant ist Emmas Haar, das sie nicht nur im Kampf als Waffe einsetzen kann. Du kannst es verlängern, um neue Wege zu erschaffen oder große Distanzen zu überwinden. Dadurch wird die Fähigkeit auch bei der Erkundung zu einem wichtigen Werkzeug. Eine weitere Stärke ist dein Begleiter Kuu. Der mächtige Hund greift Gegner selbstständig an und kann mit speziellen Fähigkeiten unterstützt werden. Durch erfolgreiche perfekte Paraden sammelst du Ladungen, mit denen du seine Spezialangriffe aktivierst. Dabei stehen dir verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Schadens-, Elementar- und Statuseffekten zur Verfügung. Zusammen mit Bogen und Armbrust, die sich mit verschiedenen Elementarpfeilen einsetzen lassen, entsteht ein vielseitiges Kampfsystem. Du musst nicht nur deine Angriffe geschickt kombinieren, sondern auch parieren, Fähigkeiten gezielt einsetzen und deine Ausrüstung an die jeweilige Situation anpassen. Das sorgt für dynamische Kämpfe, die trotz ihrer bekannten Vorbilder überraschend viel Spielraum bieten.

Wenig Abwechslung auf Dauer

So überzeugend das Kampfsystem auch ist, bei der Gegnervielfalt zeigt „Beast of Reincarnation“ deutliche Schwächen. Die Zahl unterschiedlicher Gegner bleibt überschaubar, und auch die Bosse wiederholen sich zu häufig. Dabei sind die Kämpfe grundsätzlich interessant, werden durch die Wiederholungen aber schon nach einigen Stunden vorhersehbar. Auch das Ausrüstungssystem bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Schwerter unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Sekundäreffekte, während Rüstungen und Buffs für Emma und Kuu nur einen begrenzten Einfluss auf deinen Fortschritt haben. Hinzu kommt die Kamera, die bei besonders großen Gegnern schnell für Unübersichtlichkeit sorgt. Abseits der Kämpfe fehlt es ebenfalls an echten Höhepunkten. Die weitläufigen Gebiete laden zwar zur Erkundung ein, bieten dafür aber nur selten interessante Belohnungen. Auch die optionalen Gespräche und die Verwaltungselemente im „Purificator“, deinem selbstfahrenden Fahrzeug und zentralen Rückzugsort, wirken eher wie Pflichtprogramm als wie sinnvolle Ergänzungen. Das größte Problem ist jedoch, dass „Beast of Reincarnation“ sein spielerisches Pulver sehr früh verschießt. Viele interessante Ideen sind vorhanden, werden im weiteren Verlauf aber kaum konsequent weiterentwickelt. Gerade angesichts der Erfahrung von Game Freak ist es schade, dass das Spiel sein Potenzial an mehreren Stellen nicht vollständig ausschöpft.

Starke Technik, schwache Inszenierung

Technisch kann „Beast of Reincarnation“ durchaus beeindrucken. Für eine AA-Produktion wird dir erstaunlich viel auf dem Bildschirm geboten, während die abwechslungsreichen Level mit ihrer Vertikalität gut zu Emmas Bewegungsfähigkeiten passen. Auch die Nushi fallen mit ihrem düsteren und teilweise grotesken Design positiv auf, wobei sich darin durchaus die Handschrift von Game Freak erkennen lässt. Auf der Standard-PS5 läuft das Spiel im Leistungsmodus erfreulich flüssig. Im Qualitätsmodus sinkt die Bildrate erwartungsgemäß, insgesamt bleibt die Performance aber solide. Einige schwächere Texturen fallen zwar auf, trüben den Gesamteindruck jedoch kaum. Deutlich weniger gelungen sind die Zwischensequenzen. Teilweise wirken die Charaktere sehr steif und emotionslos, während lange Pausen und eine statische Inszenierung den ohnehin nicht besonders mitreißenden Erzählfluss zusätzlich ausbremsen. Dadurch entstehen immer wieder unnötig zähe Momente. Beim Sound kann zumindest die japanische Sprachausgabe überzeugen. Der Soundtrack bleibt dagegen eher blass und bietet nur wenige einprägsame Stücke. Positiv ist die vollständige italienische Übersetzung, auch wenn die sehr kleine Schriftgröße gerade auf dem Fernseher unnötig unpraktisch ist und sich leider nicht anpassen lässt.

Trailer


Fazit

„Beast of Reincarnation“ hinterlässt bei dir vor allem den Eindruck eines ambitionierten Projekts, das sein Potenzial nicht vollständig ausschöpfen kann. Game Freak beweist durchaus Mut und zeigt, dass das Studio auch abseits seiner bekannten Marke interessante Ideen entwickeln kann. Besonders das schnelle und vielseitige Kampfsystem gehört zu den klaren Stärken des Spiels. Gleichzeitig bremsen ein unausgereiftes Drehbuch, wiederholende Gegner und eine stellenweise wenig abwechslungsreiche Spielstruktur den Gesamteindruck. Dadurch schwankt das Erlebnis ständig zwischen starken Momenten und offensichtlichen Schwächen. Trotzdem ist „Beast of Reincarnation“ einen Blick wert, gerade wenn du sehen möchtest, wie Game Freak mit neuen Ideen experimentiert. Für ein wirklich herausragendes und rundum stimmiges Erlebnis fehlt es dem Spiel jedoch an Feinschliff und Konsequenz.


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