33 Immortals

Shadow PC, PC

„33 Immortals“ ist ein ambitioniertes Koop-Roguelike für 33 Spieler, das Dantes „Göttliche Komödie“ als Grundlage nutzt und ein chaotisches, aber faszinierendes Online-Erlebnis erschafft.

Zwischen Dante und Multiplayer-Chaos: Die Welt von 33 Immortals

Sobald Du in „33 Immortals“ einsteigst, wird die klare Inspiration durch Dantes „Göttliche Komödie“ sofort sichtbar. Du übernimmst die Rolle einer verdammten Seele, die sich gemeinsam mit 32 anderen Spielern gegen das göttliche Urteil auflehnt. Der Dunkle Wald dient dabei als zentraler Hub, eine Art Schnittstelle zwischen den Welten, in der Dir neu interpretierte Figuren aus dem Epos begegnen. Beatrice führt die Rebellion an, Dante ist für das Talentsystem zuständig und Vergil verwaltet das Bestiarium, während weitere bekannte Gestalten im Verlauf der Reise auftauchen. Die Story bleibt dabei bewusst schlicht gehalten. Du bekommst Dialoge, kurze Zwischensequenzen und optionale Hintergrundinfos, aber das Spiel verzichtet konsequent auf lange Erklärpassagen. Das passt zum Fokus auf das Online-Gameplay, kann aber Spieler enttäuschen, die eine tief ausgearbeitete Handlung erwarten. Wenn Du dagegen direkt ins Geschehen einsteigen willst, funktioniert dieser reduzierte Ansatz sehr gut. Visuell gehört „33 Immortals“ zu den stärksten Aspekten des Spiels. Der 2,5D-Stil von Thunder Lotus Games verbindet die typische künstlerische Handschrift des Studios mit einer eindrucksvollen religiösen Bildsprache. Hölle und Fegefeuer sind voller von katholischer Symbolik geprägter Kreaturen und Architektur, während das Paradies zunehmend abstrakt und geometrisch wirkt und dadurch etwas Fremdes, fast Unbegreifliches ausstrahlt. Trotz der großen Spielerzahlen und Gegnermassen auf dem Bildschirm bleibt die Darstellung meist klar und beeindruckend, auch wenn es im Chaos der Kämpfe gelegentlich unübersichtlich wird. Die Atmosphäre wird zusätzlich durch den Soundtrack getragen. Feierliche Chöre, mächtige Orgelklänge und orchestrale Stücke begleiten Deine Expeditionen mit enormer Wucht. Die Musik wirkt dabei nie wie bloße Untermalung, sondern prägt aktiv die Identität des Spiels und gehört damit zu den eindrucksvollsten Indie-Soundtracks der letzten Jahre.

Spielablauf zwischen Chaos und Kooperation

Der Aufbau von „33 Immortals“ ist schnell verstanden und funktioniert im Spiel überraschend gut. Du wählst zuerst eine von mehreren Waffen, die jeweils einen eigenen Kampfstil bestimmen, und wirst dann zusammen mit 32 anderen Spielern auf eine große Karte geworfen. Dort erkundest Du die Umgebung, bekämpfst Gegner, öffnest Truhen und sammelst Ressourcen, um Deinen Charakter zu stärken. Knochen dienen dabei als temporäre Währung für Käufe wie Heilmittel oder Schlüssel, während Ewige Fragmente und Staub Deinen permanenten Fortschritt verbessern. Nach kurzer Zeit kommen kooperative Portale ins Spiel, kleinere Instanz-Herausforderungen, die nur im Team lösbar sind. Sobald diese Aufgaben abgeschlossen sind, zieht sich die Karte im typischen Battle-Royale-Stil immer weiter zusammen und zwingt alle Spieler in ein finales Zentrum, wo der letzte Kampf und der Endboss warten. Das Konzept funktioniert grundsätzlich sehr gut. Wenn alles ineinandergreift, erzeugt „33 Immortals“ einen starken Adrenalinkick, der an große MMO-Raids erinnert – nur ohne die üblichen Hürden wie lange Vorbereitung, feste Gruppen oder Planung. Du kannst einfach einsteigen und direkt ins Geschehen springen. Besonders spannend ist dabei die spontane Zusammenarbeit mit Fremden, ganz ohne Voice-Chat, nur über Aktionen und Emotes. Du schützt Verbündete, teilst Schaden bei Angriffen oder belebst Mitspieler im richtigen Moment wieder. Genau diese ungeplanten Team-Momente gehören zu den stärksten des Spiels. Mit der Zeit zeigen sich jedoch auch klare Schwächen. Das Kampfsystem bleibt sehr simpel: leichte und schwere Angriffe plus eine kooperative Fähigkeit – mehr gibt es nicht. Zwar sorgen Relikte, Talente und Upgrades für etwas Tiefe, doch das Grundgefühl bleibt gleich. Nach einigen Stunden wiederholen sich die Kämpfe spürbar. Auch die größeren Gegner, die sogenannten Alphas, wirken oft nur wie aufgeblähte Standardgegner mit vorhersehbaren Mustern und langen Lebensleisten, was die Spannung schnell dämpft.

Zwischen Chaos, Kooperation und klaren Grenzen

Auch die Bewegung in „33 Immortals“ fühlt sich oft steifer an als erwartet. Angriffe binden Dich kurz an eine Animation, Ausweichrollen haben spürbare Abklingzeiten, und insgesamt fehlt die unmittelbare Flüssigkeit, die Du aus den besten Roguelikes kennst. Der permanente Fortschritt gleicht das teilweise aus, bringt aber eigene Probleme mit sich. Durch abgeschlossene Herausforderungen schaltest Du dauerhafte Boni wie mehr Leben, Schadensreduktion oder zusätzliche Skill-Slots frei, was schnell zu einem deutlichen Unterschied zwischen neuen und erfahrenen Spielern führt und die ersten Stunden unnötig hart wirken lässt. Hinzu kommt ein strukturelles Problem im Koop-Design. Obwohl alles auf Zusammenarbeit ausgelegt ist, trennt das Spiel die Spieler immer wieder voneinander. Die Portale haben begrenzte Plätze, wodurch einige Spieler zwangsläufig warten müssen. In späteren Phasen verschärft sich das noch, da die Gruppen schließlich auf nur elf Spieler im Paradies schrumpfen. Die Idee dahinter sorgt zwar für Eskalation, führt in der Praxis aber zu Wartezeiten, Matchmaking-Problemen und einem gelegentlich gebrochenen Spielfluss. Da es sich um ein reines Online-Erlebnis handelt, steht und fällt der Spielspaß außerdem mit einer aktiven Community, die langfristig stabil bleibt und fair spielt. Die Bosskämpfe stellen dagegen den klaren Höhepunkt dar. Gegner wie Luzifer, Adam oder Eva bringen komplexe Koop-Mechaniken, mehrere Phasen und spektakuläre Angriffe ins Spiel, die echte Koordination erfordern. Aus dem anfänglichen Chaos wird hier fast ein geordneter Ablauf, in dem jeder Spieler eine wichtige Rolle übernimmt. Genau in diesen Momenten zeigt sich, welches Potenzial in „33 Immortals“ steckt. Thunder Lotus hat damit ein starkes, kreatives Fundament geschaffen, doch rundherum bleibt noch einiges unausgereift. Die Inhaltsvielfalt ist begrenzt, das Kampfsystem droht auf Dauer monoton zu werden, und manche Designentscheidungen stehen im Widerspruch zur eigentlichen Koop-Idee. Trotzdem fällt es schwer, sich dem Spiel komplett zu entziehen: Wenn 33 Spieler gemeinsam einem Angriff ausweichen, ein Team sich durch perfekte Wiederbelebungen rettet oder ein Endboss nach langer Anspannung fällt, entstehen echte, intensive Momente. Es ist kein perfektes Spiel, und sein volles Potenzial ist noch nicht erreicht. Aber es ist eigenständig, mutig und oft fesselnd genug, um im Gedächtnis zu bleiben.

Trailer


Fazit

„33 Immortals“ ist ein ungewöhnlicher und unterhaltsamer Titel, der seine 33-Spieler-Koop-Idee gleichzeitig zur größten Stärke und zur größten Schwäche macht. Du erlebst hier ein Konzept, das im besten Fall unglaublich mitreißende Momente erzeugt, im schlechtesten aber auch an Reibungspunkten wie Balance, Matchmaking und Spieltiefe leidet. Mit mehr Inhalt, besserem Feintuning und gezielten Verbesserungen am Kampfsystem sowie an der Gruppenstruktur könnte sich daraus noch deutlich mehr entwickeln. Aktuell bleibt es – trotz erkennbarer Fortschritte seit der Early-Access-Phase – ein ambitioniertes, unkonventionelles Koop-Roguelike, das zwischen starken Highlights und frustrierenden Momenten schwankt. Unterm Strich ist es eine chaotische, aber faszinierende Reise ins Jenseits, die zeigt, dass Online-Raids auch direkter, zugänglicher und spontaner funktionieren können.


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