Sente

Shadow PC, PC

Mit Sente erwartet dich kein klassisches Rundenstrategiespiel, bei dem du gemütlich deinen Zug ausführst und anschließend abwartest, was dein Gegenüber macht. Stattdessen verfolgt das Spiel einen ungewöhnlichen Ansatz: Alle Beteiligten planen ihre Aktionen gleichzeitig. Was zunächst simpel klingt, entwickelt sich schnell zu einem taktischen Kräftemessen, bei dem Vorausplanung, Beobachtung und das richtige Gespür für die Absichten des Gegners entscheidend sind. Die Demo zeigt bereits sehr deutlich, welches Potenzial hinter diesem Konzept steckt.

 

Eine Welt unter Maschinen

Sente spielt in einer futuristischen Welt, in der künstliche Intelligenzen und Roboter die gesellschaftlich dominierende Spezies geworden sind. Dabei setzt das Spiel nicht auf die klassische Endzeitvorstellung einer von Maschinen zerstörten Menschheit. Menschen und Roboter leben vielmehr in einer scheinbar utopischen Gesellschaft zusammen, in der die Maschinen den Menschen jedoch technologisch und gesellschaftlich längst den Rang abgelaufen haben. Selbst Sport und Unterhaltung werden zunehmend von Robotern bestimmt. Aus diesem Umfeld heraus entstand das namensgebende Brettspiel Sente. Die künstlichen Intelligenzen betrachten es als eine Herausforderung, die angeblich zu komplex für Menschen ist. Genau hier kommt Jade ins Spiel. Sie sieht Sente als persönliche Herausforderung und möchte beweisen, dass Menschen den Robotern intellektuell keineswegs unterlegen sind. Um überhaupt an den Spielen teilnehmen zu können, muss Jade allerdings zunächst unerkannt unter den Robotern bleiben. Die Demo führt dich deshalb in die Robot Bar, den zentralen Schauplatz des Spiels. Dort triffst du auf verschiedene Gegner und bekommst nach und nach einen Eindruck davon, wie die Welt von Sente funktioniert. Die Geschichte ist dabei nicht der eigentliche Mittelpunkt. Das Spiel bleibt in erster Linie ein Strategiespiel, versucht aber erfreulicherweise, seine Mechaniken in eine eigene Welt einzubetten. Gerade die Robot Bar sorgt dafür, dass die einzelnen Herausforderungen nicht wie eine bloße Ansammlung von Menüs wirken. Gleichzeitig merkt man der Demo an, dass die Handlung noch nicht vollständig erzählt ist und die Entwickler die Welt weiter ausbauen.

Jeder Zug passiert gleichzeitig und Lernen statt einfach loslegen

Das Herzstück von Sente ist zweifellos das ungewöhnliche Zugsystem. Du planst deine Aktion, dein Gegner plant seine Aktion – und anschließend werden beide Entscheidungen gleichzeitig ausgeführt. Genau dadurch entsteht die besondere Spannung. In traditionellen Strategiespielen kannst du häufig unmittelbar auf die Aktion deines Gegners reagieren. In Sente musst du dagegen versuchen, vorherzusehen, was passieren wird. Du kannst also nicht einfach darauf warten, dass dein Gegenüber einen Fehler macht. Stattdessen musst du seine mögliche Vorgehensweise einschätzen und deine eigene Strategie entsprechend vorbereiten. Auf dem Spielfeld platzierst du Knoten und baust damit dein Energienetz aus. Ziel ist es, dein Netzwerk geschickt über das Spielfeld zu führen, gegnerische Verbindungen zu unterbrechen und schließlich den Energiekern des Gegners zu erreichen. Gelingt das, kommt es zur kritischen Überlastung. Die daraus entstehenden Kettenreaktionen können das Spielfeld innerhalb eines Augenblicks verändern. Genau hier entwickelt Sente seinen größten Reiz. Eine Entscheidung, die zunächst unscheinbar aussieht, kann mehrere Züge später plötzlich enorme Auswirkungen haben. Du denkst deshalb nicht nur darüber nach, wo du deinen nächsten Knoten platzierst, sondern gleichzeitig darüber, welche Möglichkeiten du deinem Gegner damit eröffnest oder nimmst. Das Spiel belohnt damit weniger schnelle Reaktionen als vorausschauendes Denken. Du musst lernen, mehrere mögliche Entwicklungen gleichzeitig im Kopf zu behalten. Besonders interessant wird das, wenn sich deine ursprüngliche Planung durch die Aktion des Gegners plötzlich als falsch erweist. Die Demo nimmt dich glücklicherweise nicht völlig unvorbereitet in dieses System hinein. Ein Tutorial erklärt die grundlegenden Mechaniken und führt dich schrittweise an das ungewöhnliche Spielprinzip heran. Das ist auch notwendig, denn das gleichzeitige Ausführen von Zügen unterscheidet sich deutlich von dem, was du aus vielen anderen Strategiespielen kennst. Neben den Tutorial-Abschnitten bietet die Demo verschiedene Herausforderungen und Partien gegen KI-Gegner. Dadurch kannst du die erlernten Mechaniken direkt ausprobieren und allmählich ein Gefühl dafür entwickeln, wie du deine Züge planen solltest. Besonders die Rätsel sind interessant, weil sie das strategische Grundprinzip auf einzelne Situationen konzentrieren. Anstatt einfach eine Partie zu spielen und dabei selbst herauszufinden, was funktioniert, wirst du mit konkreten taktischen Aufgaben konfrontiert. Dadurch bekommst du ein besseres Verständnis dafür, wie Kettenreaktionen und Positionierung zusammenspielen. Die KI-Gegner haben dabei unterschiedliche Schwerpunkte. Dadurch fühlt sich nicht jede Herausforderung nach derselben Partie mit einem anderen Gegner an. Manche Situationen bringen dir grundlegende Mechaniken näher, während andere stärker darauf abzielen, deine Fähigkeit zur Vorhersage und Anpassung zu testen.

Kleine Entscheidungen, große Folgen, ein Brettspiel und ein ungewöhnliches Strategiespiel

Die eigentliche Stärke des Gameplays liegt in den Konsequenzen deiner Entscheidungen. Sente ist kein Spiel, bei dem du einfach möglichst schnell möglichst viel Fläche eroberst. Viel wichtiger ist die Frage, warum du eine bestimmte Position einnimmst. Ein gut platziertes Netzwerk kann dir neue Möglichkeiten eröffnen, gleichzeitig aber auch zum Angriffspunkt für deinen Gegner werden. Eine Verbindung, die du eigentlich für ungefährlich hältst, kann durch eine einzige gegnerische Aktion plötzlich eine Kettenreaktion auslösen. Dadurch entsteht ein interessantes Wechselspiel zwischen Angriff und Verteidigung. Du willst dein eigenes Netzwerk ausbauen, musst aber gleichzeitig darauf achten, welche Wege dein Gegner einschlagen könnte. Je besser du das Spielfeld liest, desto mehr erkennst du, dass vermeintlich kleine Entscheidungen miteinander verbunden sind. Das macht Sente zunächst etwas anspruchsvoller als ein klassisches Brettspiel. Sobald die grundlegenden Regeln aber verstanden sind, entsteht ein angenehmer „Noch eine Runde“-Effekt. Du verlierst nicht einfach nur eine Partie, sondern bekommst gleichzeitig eine Vorstellung davon, warum dein Plan gescheitert ist und was du beim nächsten Versuch anders machen kannst. Optisch präsentiert sich Sente als futuristisches 3D-Brettspiel. Die eigentlichen Spielfelder bleiben dabei angenehm übersichtlich, was bei einem Titel mit derart vielen taktischen Informationen besonders wichtig ist. Schließlich muss dein Blick jederzeit erkennen können, wo sich deine Verbindungen befinden, welche Bereiche vom Gegner kontrolliert werden und wie sich das Netzwerk entwickelt. Gleichzeitig beschränkt sich die Präsentation nicht auf das reine Spielfeld. Die Robot Bar gibt dem Spiel eine eigene Atmosphäre und erweitert die ansonsten abstrakte Strategie um eine futuristische Umgebung. Roboter, futuristische Schauplätze und die technologische Gestaltung passen dabei zum Grundkonzept der Welt. Gerade dieser Kontrast funktioniert gut: Auf der einen Seite steht das abstrakte Strategiespiel mit seinen Knoten, Energienetzen und taktischen Entscheidungen. Auf der anderen Seite gibt es eine Welt, in der dieses Spiel tatsächlich Teil der Gesellschaft ist. Dadurch wirkt Sente nicht wie ein beliebiges digitales Brettspiel, sondern bekommt eine eigene Identität. Auch die Entwicklung der Präsentation ist interessant. Ursprünglich war Sente laut Entwicklerteam deutlich abstrakter angelegt und sollte zunächst weitgehend ohne ausgeprägtes Szenario funktionieren. Erst im Laufe der Entwicklung wurden die Roboter, die Robot Bar und die Geschichte stärker in das Konzept integriert. Was Sente besonders interessant macht, ist die Tatsache, dass es nicht versucht, einfach ein weiteres klassisches Rundenstrategiespiel zu sein. Die gleichzeitigen Züge verändern die gesamte Denkweise. Du planst nicht nur deinen nächsten Schritt, sondern versuchst permanent, den nächsten Schritt deines Gegenübers vorherzusehen. Das funktioniert vor allem deshalb gut, weil die einzelnen Mechaniken miteinander verzahnt sind. Netzwerkaufbau, Positionierung, Unterbrechungen und Kettenreaktionen greifen ineinander und sorgen dafür, dass eine Partie selten ausschließlich aus einzelnen isolierten Entscheidungen besteht. Gleichzeitig ist die Demo noch eindeutig als Vorgeschmack auf das vollständige Spiel zu verstehen. Die Entwickler haben bereits weitere Inhalte, verschiedene Spielmodi und einen umfangreicheren Einzelspielerbereich angekündigt. Auch Mehrspielerpartien gehören zum langfristigen Konzept von Sente, wobei die Demo beziehungsweise ihre jeweiligen Entwicklungsstände schrittweise erweitert wurden. Gerade deshalb sollte man die Demo nicht danach beurteilen, ob sie bereits den kompletten Umfang eines fertigen Spiels liefert. Viel wichtiger ist die Frage, ob die grundlegende Idee funktioniert. Und genau hier hinterlässt Sente einen interessanten Eindruck.

Trailer


Fazit

Sente verfolgt eine ungewöhnliche Idee und setzt sie bereits in der Demo überraschend konsequent um. Das gleichzeitige Ausführen der Züge sorgt dafür, dass du deine Entscheidungen nicht einfach nach der Aktion des Gegners treffen kannst. Stattdessen musst du vorausplanen, Möglichkeiten abwägen und versuchen, deinem Gegenüber gedanklich einen Schritt voraus zu sein. Besonders gelungen ist die Verbindung aus abstraktem Strategiespiel und futuristischer Welt. Die Geschichte rund um Jade, die Robot Bar und die von künstlichen Intelligenzen dominierte Gesellschaft gibt dem Spiel einen eigenen Charakter, ohne die eigentliche Strategie in den Hintergrund zu drängen. Die größte Stärke bleibt allerdings das Gameplay. Wenn du Spiele magst, bei denen du lieber über deinen nächsten Zug nachdenkst, als möglichst schnell irgendwelche Aktionen auszuführen, solltest du Sente definitiv im Auge behalten. Die Lernkurve ist durch das ungewöhnliche Zugsystem zunächst vorhanden, doch gerade daraus entsteht der Reiz. Die Demo macht damit vor allem eines: Sie weckt Neugier auf mehr. Sente hat noch einiges vor sich, besitzt aber bereits jetzt ein eigenständiges Spielprinzip, das sich angenehm von der Masse abhebt. Wer taktische Brettspiele, Puzzle-Elemente und strategische Gedankenspiele mag, findet hier einen Titel, dessen Entwicklung sich definitiv zu beobachten lohnt.


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