Bernd das Brot und die Unmöglichen (PC)

Bernd das Brot, das dauerdeprimierte Kastenweißbrot mit seinen viel zu kurzen Armen, begeistert Groß und Klein seit 2000 im KiKA. Im Jahr 2004 gab es sogar den Grimme-Preis für den kleinen Kerl. Als wenn das nicht schon genug Arbeit ist, haben es sich die Spiele-Entwickler von Chimera Entertainment jetzt auch noch erlaubt, ein Computerspiel zu entwickeln. Völlig genervt von allem und jedem muss Bernd in einem weiteren Abenteuer mit Briegel, dem Busch, und Chili, dem Schaf, die Hauptrolle übernehmen. "Was für ein Mist!", wird er sich wohl gedacht haben.

 

Wo ist die Statue des „Erkälteten und Skat spielenden Yakks“?

„Bernd das Brot und die Unglaublichen“ kommt in einer hübschen Verpackung in Form einer Brotdose daher und enthält neben dem Spiel eine Bonus-DVD und einen Ansteck-Pin. Das alles ist Bernd natürlich egal, denn er möchte doch einfach nur seine Raufasertapete anstarren und nicht in diesem ätzenden und nicht atmungsaktiven Kostüm herumlaufen, in das er gestopft wurde. Zusammen mit Chili und Briegel muss er als „Die Unmöglichen“ Verbrechen bekämpfen. Im Stadtpark wurde die Statue des „Erkälteten und Skat spielenden Yakks“ gestohlen, und wer soll sich sonst dieser wichtigen Aufgabe annehmen? Was hier total abgedreht klingt, spielt sich auch genau so, denn im Laufe der Handlung treffen die drei auf viele weitere verrückte Charaktere und besuchen abgedrehte Orte wie Pullovien, einen Schrottplatz und ein abgewetztes Flugzeug. Insgesamt gibt es aber doch recht wenige Orte zu entdecken, und so werdet ihr immer wieder zu diesen zurückkehren. Das schlägt sich dann auch auf die Spielzeit nieder, die nur etwa drei bis vier Stunden beträgt.

Bereits in den ersten Spielminuten werden Fans der Serie begeistert feststellen, dass alle Originalsprecher für das Spiel gewonnen werden konnten und so ein ganz besonderes Flair erzeugt wird. Dazu gibt es noch Bernd-typische Sprüche und Gags, die immer mal wieder Lacher hervorrufen. Und zwar wirkliche Lacher und nicht nur so ein kleines Zucken der Lachmuskeln. Vor allem, wenn Bernd mal wieder von allem genervt ist und sich dann sogar mit den Entwicklern selbst anlegt und sie immer wieder darauf aufmerksam macht, wie doof er das Spiel findet.

Das Spiel kommt komplett ohne Zwischensequenzen aus und erzählt die Geschichte in Comic-Strips. Positiv ist allerdings, dass die 2D-Umgebungen schön handgezeichnet sind und die darin befindlichen 3D-Figuren und 3D-Elemente gut zum Spiel und der Story passen. Immer wieder entdeckt man Kleinigkeiten in den Hintergründen, die zum Beispiel Anspielungen auf Filme enthalten. Kein Wunder also, dass Bernd in seinem Kostüm schon Ähnlichkeit mit Batman hat und auch das bekannte Scheinwerfersymbol nicht fehlen darf. Dazu gibt es dann noch einen DeLorean samt Flux-Kompensator. Natürlich darf man keine Blockbuster-Grafik erwarten, was schon die Lippen-Asynchronität in den Gesprächen verhindert.

 

Wer denkt sich sowas aus?

Im Spiel besteht eure Aufgabe darin, die Gebiete zu untersuchen, Gegenstände zu finden, mit Personen zu interagieren oder Multiple-Choice-Gespräche mit ihnen zu führen. Natürlich dürfen zahlreiche Rätsel nicht fehlen. Um das Spiel zu meistern, benutzt ihr nur zwei Maustasten; links zum Interagieren und rechts zum Untersuchen. Ein typisches Point-and-Click-Abenteuer also. Die Schwierigkeit der Rätsel reicht von ultraleicht über total hirnrissig bis hin zu bockschwer. Dabei ist auch mal das eine oder andere innovative Rätsel, bei dem das Lösen schon recht cool war und verlangte auch mal außerhalb des Spielebildschirms zu denkenr. Die meisten Rätsel, besonders zum Ende des Spiels hin, sind allerdings dann fast nur noch wildes Herumprobieren und Klicken, um irgendwie eine Kombination von einzelnen Inventargegenständen herauszufinden, die total abwegig erscheint.

Die Hotspot-Anzeige kann dabei helfen, beispielsweise nicht gefundene Objekte zu entdecken, und ein Tagebuch listet die letzten Ereignisse auf, um einen kleinen Ansatz zu liefern, wie es weitergeht. Große Hilfen sind diese beiden Dinge bei den abgedrehten Rätseln allerdings nicht, zumal es nicht einmal eine Hilfefunktion gibt. Stattdessen haben sich die Macher die Mühe gemacht und eine Komplettlösung verfasst, die total Oldschool direkt im Spielverzeichnis gefunden werden kann. Diese wird sicherlich das eine oder andere Mal auch genutzt. Es ist einfach schade, dass es doch immer wieder Momente und Rätsel gibt, wo man sich einfach ärgert, weil die Vorgehensweise viel zu abwegig erscheint.

 

Logikfehler sind Mist!

Als wenn die komischen Rätsel noch nicht reichen würden, gibt es dann auch noch das eine oder andere Mal Logikfehler, die das Spielerlebnis beeinträchtigen. Bestes Beispiel dafür ist, dass man im Laufe des Spiels einen Generalschlüssel für Toiletten erhält. Diesen verwendet man im Flugzeug, um die Bordtoilette zu öffnen. Kurz darauf landet man an einem anderen Ort, bei dem man mit dem Schlüssel das Plumpsklo entriegelt. So weit, so gut. Danach ist man allerdings wieder im Flugzeug und plötzlich ist der Schlüssel nicht mehr an der Bordtoilette benutzbar. Genauso kann es vorkommen, dass Bernd in einer Situation mit einem Gegenstand interagieren kann und beim nächsten Besuch der Location plötzlich seine kurzen Arme als Grund anführt, wieso eine Aktion nicht möglich sei. Bei diesen groben Schnitzern ist es fast eine Kleinigkeit, dass beispielsweise an einer Stelle im Spiel Bernd mit einem Mann spricht, der laut dem kleinen Avatar einen roten Poncho trägt, in der Szene selbst aber nur Männer mit blauen und grünen Ponchos vorhanden sind.

Weiterhin fällt auf, dass der Spielablauf extrem linear verläuft. So kann es vorkommen, dass Aktionen erst möglich sind, wenn eine andere Handlung vorausgegangen ist oder ein Hinweis darauf erst im Laufe der Gespräche auftaucht. In einer Situation muss man beispielsweise eine Brille mit einem Farbeimer rot färben. Versucht man dies direkt nach Erhalt der Gegenstände, weigert sich das Brot, die Handlung umzusetzen. Kurz darauf erhält man die Bestätigung, dass man dies machen muss, und plötzlich funktioniert die Aktion ohne einen blöden Kommentar. Zusammengenommen sorgen die Rätsel und die Logikfehler einfach dafür, dass man immer wieder denkt: Mist, was soll das denn?

 

Offizieller Trailer


Fazit

„Bernd das Brot und die Unglaublichen“ ist für Fans der Serie durchaus eine Investition wert, denn es spielt sich wie eine interaktive Fernsehfolge inklusive Originalsprechern und einer Story direkt von den Machern der Serie geschrieben. Schon alleine die schicke Verpackung in Form einer Brotdose sollte für Fans ein Anreiz sein.
Diejenigen, die mit dem nörgelnden Teigprodukt nicht viel anfangen können, werden auch mit diesem Spiel nicht glücklich werden, obwohl es dank der vielen Gags durchaus seinen Charme hat. Echte Rätselfreunde werden aufgrund der verkorksten Knobeleien, des linearen Spielablaufs und der auffälligen Logikfehler nur an ein Wort denken: „Mist!“ Nur wenige Rätsel haben wirklich innovative Lösungswege, bei vielen wird leider einfach nur wild herumgeklickt oder kombiniert. Zudem gibt es nur wenige Schauplätze, wodurch es zu wiederholten Besuchen kommt, und mit einer Spielzeit von rund drei Stunden ist das Spiel auch viel zu schnell vorbei. (Anja Schmidt)


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Bernd das Brot und die Unmöglichen (PC) - DLH.Net Review Screenshots
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