Skydive: Proximity Flight (Xbox 360)

Das es auch noch wirklich innovative Spiele abseits des Mainstreams gibt, zeigt die russische Spieleschmiede Gaijin Entertainment mit ihrem neuesten Titel „Skydive: Proximity Flight“, dessen Xbox Live Version der Karlsruher Publisher TopWare Interactive übernommen hat. Das Studio selbst dürfte der Gamer-Szene noch am ehesten durch das vor zwei Jahren bei Konami erschienene „Blades of Time“ oder „War Thunder“ bekannt sein. Dank ihrer freien Interpretation der Sportart Base Jumping gibt es auch für Nicht-Sportskanonen Spaß am Fliegen für ganz kleines Geld direkt ins Wohnzimmer.

 

Über den Wolken ...

Base Jumping erfreut sich seit Ende der Neunziger Jahren einer gewissen Beliebtheit unter Extremsportlern und sorgt seitdem durch Todesfälle immer wieder für Diskussionen in den Medien. „Skydive: Proximity Flight” hingegen ist völlig ungefährlich, ganz im Gegenteil: Durch die Kinect-Steuerung kommt der Spieler ein wenig ins Schwitzen und das ist ja angeblich gesund. Gestartet wird mit einem Hopser, dadurch stürzt sich der Avatar von einer Klippe und los geht es. Durch das Manövrieren mit beiden Armen steuert der Spieler eins zu eins den jeweiligen Jumper in seinem lustig anzuschauenden Flughörnchenanzug, korrekt als Wingsuit bezeichnet. Dabei kann im Sturzflug Höhe abgebaut, sowie im Steigflug wieder gewonnen werden. Innerhalb der vorgegebenen Strecke gibt das Spiel jedoch auch auf der X-Achse genügend Auslauf. Ein Vergleich zur „Panzer Dragoon“-Reihe bietet sich dabei fast an, doch kommt bei „Skydive“ nicht das typische Rail-Shooter-Feeling auf, das mag zum einem an der sehr gut gelungenen grafischen Umsetzung liegen, zum anderen aber auch daran, dass man bei diesem Game deutlich freier agiert als bei vergleichbaren Titeln. Das Gefühl des Schwebefluges einzufangen ist dem Entwicklerteam dabei hervorragend geglückt. Die Zusammenarbeit der Entwickler mit erfahrenen Skydivern wie Jokke Sommer oder Andrey Boldyrev  hat sich ohne Zweifel ausgezahlt.

Nach wenigen Minuten klappt das Fliegen in der Praxis bereits erstaunlich gut, was an der ausgezeichneten, extrem präzise arbeitenden Kinect-Implementierung liegt. Wer nun aber keine Kinect besitzt, weil er sich von schlechten Umsetzungen wie „Fable: The Journey“ bisher abschrecken ließ, sollte sich entweder jetzt eine solche zulegen oder auf sein Gamepad ausweichen, denn „Skydive: Proximity Flight” wurde nicht ausschließlich für die Kinect konzipiert, sondern bietet auch eine solide umgesetzte Steuerung für selbsternannte Couch-Potatoes an. Offen gesagt, stecken hier quasi zwei Spiele in einem: Der gut umgesetzte Action-Racer, wenn auch mit eher ungewöhnlichen „Vehikeln“, sowie vielleicht einer der besten Titel für die Kinect der Xbox 360.

Die Männer in ihren fliegenden Kisten Anzügen

Das Spiel bietet selbstverständlich noch einiges mehr, als einfach nur gemütlich über den Wolken zu schweben: Verschiedene Tricks wie Fassrollen, Backflips und Sturzflüge lassen sich durch unterschiedliche Armbewegungen ausführen. Aber auch der Rest der müden Glieder darf dazu beitragen, den Flug erfolgreich zu absolvieren. Das interessanteste oder vielleicht eher rasanteste Feature des Spiels, sind die Adrenalinflüge. Dazu muss der Spieler mit angewinkelten Knien in die Hocke gehen. Wurde genügend Adrenalin durch entsprechende Tricks angesammelt, beschleunigt das den Flug noch einmal drastisch. Dieses Feature lässt sich am ehesten mit der Boost-Option von „Burnout Revenge“ vergleichen. Der eigene Adrenalinspiegel steigt dabei selbstredend gleich mit an. Auf den Weg ins Fitnessstudio darf also ab sofort verzichtet werden.

„Skydive: Proximity Flight” bietet insgesamt drei verschiedene Spielmodi an. Unter dem Menüpunkt „Herausforderung“ erwarten den Flugschüler vier Unterpunkte. Die Möglichkeiten, alle Routen zu erkunden, einfache und fortgeschrittene Tricks einzuüben, sind ein guter Einstieg. Sehr sachte wird man dabei an die Spielmechanik herangeführt, lernt die Tricks zu kombinieren, um schließlich unter dem letzten Unterpunkt „Extraherausforderungen“ zu zeigen, was man gelernt hat. Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei graduell und in fairen Dosen. Dabei müssen die schwierigeren Trickkombinationen erst einmal durch das Absolvieren kleiner Kunststücke freigeschaltet werden. Die größte Herausforderung ist es dabei, ganz genau wie im echten Leben, nicht abzustürzen, sprich ohne den Fallschirm zu öffnen, auf dem Boden aufzuschlagen. Ist das Ziel erreicht wird die Leine durch das Überkreuzen beider Arme gezogen, das automatische Landemanöver darf dabei auch gerne übersprungen werden.

 

Hunde, wollt ihr ewig fliegen?

Beim Adrenalinrennen darf dann gezeigt werden, ob der Stoff wirklich sitzt. Der eigene „BirdMan“  startet ein Rennen gegen eine Reihe von Computergegnern und wird im besten Fall der Fälle Erster. Hierbei zeigen die einzelnen Level ihre Tücken: Ob schneebedeckte Berge oder Sandstein-Canyons, überall finden sich Schlupflöcher in den naturgeformten Gebilden, welche, ohne Crash durchquert, noch ein paar Sekundenbruchteile mehr einsparen. Um die Gegner in den tiefen Tälern nicht zu verlieren haben die Entwickler diesen klugerweise Leuchtspuren verpasst, so dass man nicht plötzlich allein im Wald steht. Dabei stehen sechs Stages mit insgesamt acht Startpunkten zur Auswahl. Verschiedene wählbare Kameraperspektiven sorgen für noch mehr Realismus. Zu guter Letzt lässt der Menüpunkt „Freistil“ den Spieler wieder zum Durchatmen kommen, sowie die unterschiedlichen Flugeigenschaften der zwölf Charaktere mit so tragenden Namen wie „Nosferatu“ oder „Firewing“ in Ruhe erproben. Beim Solo-Flug lässt sich die Grafik des Spiels ausführlich bewundern, die Wetterlage und die Startzeit der Stages kann dabei verändert werden.

Grafisch macht „Skydive: Proximity Flight” für ein Indiegame so einiges her. Die Spielwelten sind insgesamt sehr gelungen, Nebel- und Wolkeneffekte schaffen es auf jeder beliebigen Skala in den oberen Bereich zu klettern und das bei durchgängig 40 Frames pro Sekunde. Als ob das nicht genug wäre, haben die Jungs von „Gaijin Entertainment“ sogar noch einen Stereo-3D-Modus drauf gelegt. Zum Sound lässt sich nicht viel sagen, außer: rockig und rockt!

Zwar verfügt das Spiel über keinen Multiplayer-Modus, doch können Freunde über Xbox Live Herausforderungen gesendet werden, dabei kann der Spieler selbst Zielvorgaben erstellen sowie Routen vorfliegen. Die üblichen Achievements und ein Leaderboard fehlen selbstverständlich ebenfalls nicht.

 

Let's Play von DLH.Net


Fazit

Zum lächerlich geringen Preis von 6,99 EUR gibt es hier ein wahres Kleinod zum Download. Macht gute Laune und sieht schick aus. Wer sich selbst jetzt nach diesem Testbericht noch unsicher ist, der sei auf die kostenlose Demoversion auf XBLA verwiesen. (Daniel Liebeherr)


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Skydive: Proximity Flight mit Trailer angekünigt
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